© 1999 Barbara Teves (HP)
Trennkost
und andere(r) Diäten (-Wahnsinn)
(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 6/1999)
Immer wieder werden
Reduktionsdiäten, vor allem im Frühling und Sommer, als erfolgreicher Weg zur
Gewichtsreduzierung propagiert. Der ganz große Trend ist dabei die Trennkost.
Die ursprüngliche
Trennkostlehre entwickelte der amerikanische Arzt Dr. Howard Hay. Er empfahl,
bei der Zubereitung der Mahlzeiten Eiweiße und Kohlehydrate zu trennen. Gemäß
dieser Lehre gibt es schädliche ,,Säurebildner” unter den Nahrungsmitteln.
Gemüse, Obst und Salat gelten als „Basenbildner“, die Säure neutralisieren, die
Ausscheidung fördern und den Stoffwechsel entlasten.
In der Praxis werden nun die
Nahrungsmittel einer Eiweiß-, Kohlehydrate- und einer neutralen Gruppe
zugeordnet. Dementsprechend gibt es zu Steak, Fisch oder Ei reichlich Gemüse
oder Salat, aber keine Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Brot. Dafür gibt es dann
zu Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Brot reichlich Gemüse oder Salat, jedoch ohne
Fleisch, Fisch oder Ei. Ab 14 Uhr sollen keine Eiweißgerichte mehr verzehrt
werden, da dies die Verdauung belasten soll.
Ganz abgesehen davon, ist bei
bei Fleisch-, Fisch oder Eier-Verzehr äußerste Vorsicht geboten, nicht
unbedingt aus vegetarischen Gründen, sondern vielmehr wegen der Belastungen mit
Toxinen (Giften), Antibiotika (chemisch-medikamentösen Behandlungen) und
letztlich Verseuchung mit BSE (Rinderwahnsinn).
Das ursprüngliche Konzept der Trennkost
ist aus heutiger Sicht weder medizinisch noch ernährungswissenschaftlich
haltbar. Dr. Hay übersah, daß z.B. viele natürliche Lebensmittel, wie Milch,
Getreide und Hülsenfrüchte, sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate enthalten.
Unsere erste Nahrung - die Muttermilch - enthält zu fast gleichen Anteilen
Eiweiß und Kohlenhydrate! Ebenso war ihm nicht bekannt, daß sich tierisches und
pflanzliches Eiweiß in ihrer biologischen Wertigkeit ergänzen. Heute weiß man
mehr über die chemischen Verdauungsgesetze. Das Enzymsystem des Menschen ist
darauf ausgelegt, Eiweiße und Kohlehydrate gleichzeitig zu verdauen. Bei der
Nahrungsaufnahme werden alle Verdauungsenzyme sezemiert (abgesondert),
unabhängig von getrennter Eiweiß- oder Kohlehydrat-Nahrungsaufnahme. Abwechslungsreiche
und ausgewogene Kost beeinträchtigt den Säure-Basen-Haushalt unseres Organismus
nicht negativ. Als Gesunde stehen uns sowohl metabolisch
(stoffwechselbedingt) über die Nieren als auch respiratorisch (atmungsaktiv)
über die Lunge beste Puffersysteme zur Verfügung.
Und nun die Trennkost als
Diät betrachtet: Ist sie zum Abnehmen geeignet? Jede energie- und
fettarme Mischkost führt grundsätzlich zur Gewichtsreduzierung. Obst und
Gemüse wird heute ohnehin vermehrt empfohlen. Bei vermeintlichem erfolgreichen
Abnehmen mit der Trennkost stellt sich daher zwangsläufig die Frage: Lag dies
an der ,,Trennung” oder an der reduzierten Energiezufuhr? Von
Ernährungsmedizinern wird vor Mangelerscheinungen durch Langzeitanwendung der
originären Hay‘schen Trennkost gewarnt. Was heute als erfolgversprechende
Trennkost gehandelt wird, ist nichts anderes als energiereduzierte Mischkost.
Mit der ursprünglichen Hayschen Idee hat dies nicht mehr viel gemeinsam.
Ebensowenig sind die Superdiäten
für eine dauerhafte Gewichtsreduzierung geeignet. Das Versprechen,
innerhalb von ,,20 Tagen 10 Kilogramm“ fast ohne Mühe abzunehmen, sollte nur
ein müdes Lächeln hervorrufen. Bei solchen Diäten ist der Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert.
Der Körper legt nach solch einer Radikalkur einen noch größeren
,,Reservevorrat” an, als er schon vor dem „Hunger-Schock” hatte. Bei fast allen
bekannten Diätkuren gibt es Risiken und Nebenwirkungen.
Bei der Atkins-Diät gibt
es reichlich Fleisch, Wurst und Sahne zu essen, jedoch keine Kohlenhydrate.
Nach der Devise: Fett macht schlank! Die Diät ist deshalb nicht empfehlenswert,
evtl. sogar gesundheitsschädlich.
Die Hollywood-Diät,
May-Kur und Max-Planck-Diät versprechen: Eiweiß macht
schlank! Sie enthalten somit zuviel Eiweiß, Cholesterin und Purine, während die
Kohlehydrate sträflich vernachlässigt werden. Deshalb sind auch diese Diäten
nicht empfehlenswert und unter Umständen ebenso gesundheitsschädlich.
Auch die Diäten, bei denen auf
die Enzyme der Südfrüchte als große Abnehmwunder
gesetzt werden, sind wenig geeignet. Der Verzehr von großen Mengen an
tropischen Früchten, wie Ananas, Papayas oder Mango sorgt lediglich dafür, daß
durch die aufgenommenen Enzyme die Lebensmittel vom Körper besser verdaut
werden und so auch mehr Energie liefern. Tatsächlich erfolgt die
Gewichtsabnahme durch den hohen Obstanteil, der insgesamt weniger Kalorien
enthält. Ein einzelner Obsttag kann sicher nicht schaden, bei längerer
Anwendung dagegen kommt es auch hier zu Mangelzuständen.
Formula-Diäten sind
Instantpulver, um trinkfertige Mahlzeiten herzustellen. Die
Nährstoffzusammensetzung des Pulvers ist gesetzlich geregelt und somit eine
ausreichende ,,Zufuhr” weitgehendst gesichert. Für stark Übergewichtige, die
schnell Pfunde verlieren sollen, ist die Diät unter ärztlicher Aufsicht sicherlich
kurzfristig als Motivationshilfe sinnvoll. Ein Verhaltenstraining für eine
durchdachte und gesunde Ernährung im Anschluß ist wichtig und notwendig.
Vernünftig Gewicht verlieren, muß die Devise sein, um eine dauerhafte
Gewichtsreduzierung zu erreichen. Das heißt, eine Gewichtsabnahme von höchstens
500 Gramm pro Woche ist der Gesundheit zuträglich. Übergewichtige müssen
lernen, sich langfristig ausgewogen zu ernähren. Deshalb sind alle Arten von
Blitz- und Crash-Diäten abzulehnen. Sie führen nur zu einer Ausschwemmung von
Wasser aus dem Körper, während die Fettpolster zurück bleiben. Zusätzlich wird
die geistige Leistungsfähigkeit beeinflußt.
Wissenschaftler
haben festgestellt, daß eine abrupte Kaloriendrosselung um mehr als die Hälfte,
also zum Beispiel von normalerweise 2000 auf 900 Kilokalorien während einer
Diät, zu verlängerten Reaktionszeiten, Konzentrationsstörungen und Problemen
mit dem Kurzzeitgedächtnis führen - und zwar auch noch einige Zeit über das
Diätende hinaus!
Ist eine Gewichtsreduzierung
für das persönliche Wohlbefinden oder aus gesundheitlichen Gründen indiziert
(angezeigt), so beginnen Sie bei der Überprüfung Ihrer Eßgewohnheiten. Holen
Sie sich zusätzlich fachlichen Rat und fachliche Beratung. Dazu stehen genügend
seriöse und auch bezahlbare Möglichkeiten zur Verfügung.
Barbara Teves (HP)
Am Stutenanger 3A
D-85764 Oberschleißheim
Tel./Fax (089) 315 02 60