Ägyptologie, ein Stiefkind der Wissenschaft

(c) Erwin Wedemann; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 1/2001

Bis zum Jahre 1999 verkörperte Prof. R. Stadelmann die höchste Instanz in den streng hierarchisch gegliederten Strukturen der Ägyptologie. Von ihm stammen die Worte: "Die Totenbücher der Ägypter sind für uns nichts anderes als wirre Phantastereien, die den Pharaonen ohne Sinn und Methode an die Grabwände geschrieben wurden, ihre Gräber sind für uns das Zeichen einer krankhaften Hybris (Größenwahn), und den Pyramidenbau halten wir unter diesem Aspekt für Extravaganzen von Verrücktheiten."

Wie viel Professorenhörigkeit muss ein Student seines Fachgebietes eigentlich einbringen, um eine derart vernichtende Bewertung des Gesamtkomplexes "Kultur der Ägypter" ohne Widerspruch hinzunehmen? Wo ist der junge rebellische Geist, der sich empört dagegen wehrt, den Schwarzen Peter des Unverständnisses weiterhin den Ägyptern zuzuschieben, anstatt ihn bei uns Zeitgenossen zu suchen?

Stadelmanns exzessive Definition der ägyptischen Kultur basiert auf Lehrmeinungen, die bereits im frühen Mittelalter formuliert wurden. Seit dieser Zeit ist die Kirche reformiert worden, die Medizin hat diverse Quantensprünge getan und die Technik ist förmlich explodiert. Wenn sich nun im Zuge dieser rasanten Entwicklung Erkenntnisse ergeben, die sich wie ein Raster über mittelalterliche Definitionen legen lassen, dann muss sich die Ägyptologie ganz einfach die Frage gefallen lassen, warum sie nicht zumindest einmal an eine Reform denkt.

In meinem Buch "Tausend Jahre sind für mich wie ein Tag" benutze ich das erwähnte Raster und lasse den Leser sukzessive an der Beweisführung teilhaben, dass die Verse der Totenbücher in der Tat nichts anderes sind, als die detaillierte Beschreibung eines interstellaren Raumfluges. Allerdings aus der Sicht eines prähistorischen Volkes, das hier mit einer geradezu liebenswerten Einfalt versucht, ein Ereignis zu kopieren, das ihm aus den Tiefen seiner Vergangenheit bekannt war.

Diese liebenswert gesunde Einfalt eines steinzeitlichen Volkes ist das, was die Wissenschaft bei Ihrer Forschung stets voraussetzt. Die hoch verstümmelten Texte der Totenbücher sollten daher nicht zum Anlass genommen werden, um die Ägypter in die Nähe jener bedauernswerten Menschen zu rücken, die ihr Leben hinter verschlossenen Türen verbringen müssen, sie sollten vielmehr als eine Herausforderung angesehen werden, um in ihnen die beiden Komponenten komplexes Thema und Hilflosigkeit in der Interpretation sachgerecht zu trennen.

"Meilen zu Millionen und Hunderttausenden, du durchläufst sie in Frieden. Steuerst genau zu dem Ort, an den du willst, und verbringst das in einer kleinen Stunde. Wenn du landest, hast du die wahren Stunden erfahren", so lautet der ägyptische Begrüßungsvers, wenn Re am östlichen Horizont des Himmels auftaucht. Dieser Vers enthält nicht nur eine Geschwindigkeitsangabe, die an Genauigkeit kaum zu überbieten ist, sie macht zudem präzise Angaben über die Zeitdilatation (Zeitdehnung). Selbst ein Denker wie Albert Einstein hätte das Phänomen der Zeitdehnung in einem Vierzeiler nicht besser erklären können: "Man fliegt mit Millionen Stundenkilometer zielgenau durch das Weltall und weiß erst nach der Landung auf der Erde, wie lange man definitiv unterwegs war." Der Spruch gibt aber noch mehr Rätsel auf. Nach übereinstimmender Meinung aller Wissenschaftler haben die Ägypter ihre Kenntnis sehr hoher Geschwindigkeiten aus täglichen Naturbeobachtungen beziehen müssen. Ist jener Verseschreiber bei der Angabe seiner extrem hohen Werte folglich von einem galoppierenden Kamel inspiriert worden?

Wissenschaftlich unbestritten ist, dass der verstorbene Pharao im Kreise seiner Götter einen Flug zu den Sternen unternimmt. Sein Aufenthaltsort während dieses Fluges lautet im Originaltext Dat, und da eine Übersetzung dieses Begriffes nicht möglich ist, hat Prof. Hornung (Übersetzer der Totenbücher) ihn in kühner Anlehnung an zeitgenössische Vorstellungen vom Sterben, frank und frei mit Jenseits übersetzt. Ein verhängnisvoller Fehler, denn er berücksichtigt in keiner Weise, dass der Pharao nach den Vorstellungen der Ägypter gar nicht tot, sondern nur vorübergehend "herzensmatt" war, als er seinen Flug antrat, und er berücksichtigt auch nicht, dass der Pharao dreißig Jahre später verjüngt in Abydos zurück erwartet wurde. Es war ein Flug zu den Sternen, bei dem der Rückflug zur Erde fest eingeplant war. Abflug in Sakkara, verjüngte Rückkehr in Abydos!

"Oh ihr Götter, die ihr in Abydos seid, der gesamte Götterrat vollständig, kommt jubelnd herbei bei meinem Nahen", sagt der Pharao in Spruch 138 der Totenbücher, wohl wissend, dass nicht nur die Götter, sondern das ganze Volk sich am Stichtag des Sedfestes in Abydos versammeln würde, um seine Rückkehr gebührend zu feiern. "Die Majestät dieses Gottes geht wieder heraus auf die Erde, indem er in Oberägypten (Abydos) in Erscheinung tritt. Seine Kraft ist wieder groß, wie bei seiner ersten Schöpfung. Der Pharao ist verwandelt in den Größten Gott in Edfu". Mit diesem Vers, den die Priester ihm an die Wand seiner Dat geschrieben hatten, schürten sie seine Hoffnung, als Folge der erwähnten Zeitdilatation nach dreißig Jahren verjüngt und reanimiert in Abydos landen zu können. Diese absurde Hoffnung des Pharaos hat letztendlich dazu geführt, die Verse der Totenbücher insgesamt als krankhafte Exzesse einer übersteigerten Phantasie zu sehen. Aber ist es wirklich krankhaft, auf die scheinbare Verjüngung eines Sternenfluges, der sich im Grenzbereich der Lichtgeschwindigkeit bewegt, zu vertrauen? Wer hätte dem todgeweihten Pharao erklären sollen, dass ein solcher Flug keineswegs verjüngt, sondern nur das Altern verlangsamt?

Gehen wir jetzt mitten hinein in die Dat, von der Prof. Hornung glaubt, dass sie mit unserem Jenseits identisch ist, und lassen wir harte Fakten sprechen. Zunächst einmal ist es verblüffend, dass dieses Jenseits auf ägyptischen Originalzeichnungen, die es in seiner Gesamtheit darstellen, stets eine ovale Form hat und über klare äußere Grenzen verfügt. Eine Deutung von unendlicher Größe und beliebiger Aufnahmekapazität wäre daher bereits im Ansatz falsch. Es war mehrstöckig und verfügte zudem über eine technische Ausstattung, die wir erst heute, im Zeitalter der Raumfahrt, korrekt beurteilen können. Unseren Vorvätern im Mittelalter wäre das gar nicht möglich gewesen.

Die verschiedenen Stockwerke waren durch einen Fahrstuhl miteinander verbunden, der sich sowohl vertikal als auch horizontal durch die Dat bewegen konnte. Die Dat besaß zudem ein immergrünes Gewächshaus, das die Ernährung und die Versorgung mit Frischwasser vollkommen autark über Jahre sicherstellte, und sie verfügte über einen Antrieb, dem selbst die einfältige Beschreibung eines steinzeitlichen Pharaos nichts von seiner Komplexität hat nehmen können.

Im Pfortenbuch 6. Stunde, 41. Szene bilden die Ägypter ein Feuerloch ab, in dem eine derart extreme Gluthitze herrscht, dass niemand auch nur in seine Nähe kommen darf. Der begleitende Text zu der Abbildung lautet (gekürzt): "Das Wasser dieses Feuerloches ist Feuer. Nicht leidet die Gewalt des Feuers Mangel, nicht gibt es seinesgleichen, über dessen Wasser die Götter, die es bewachen, keine Macht haben. Doch atmet dieser Große Gott (Osiris) durch das unnahbare Wasser dieses Feuerloches". Wasser und Feuer, sind das nicht extreme Gegensätze, die auch den Ägyptern bekannt gewesen sein müssen? Welcher technische Teufel mag sie also geritten haben, als sie ein extrem heißes Feuer auf der Basis von Wasser beschrieben, bei dem Sauerstoff zum Atmen freigesetzt wurde?

Im zweiten Stockwerk liegt die eigentliche Schalt- und Kommandozentrale der Dat. Halle der vollständigen Wahrheit nennen die Ägypter diesen Raum, in dem 42 Götter ständig im Dienst sind. Selbstverständlich repräsentiert diese Halle in ihrer ursprünglichen Bedeutung das Allerheiligste eines Raumschiffes, entsprechend hoch sind folglich auch die Sicherheitsvorkehrungen, um Unbefugte an ihrem Betreten zu hindern.

Bewegungsmelder, Lichtschranken, Stimmerkennungscodes, ganz gleich, an welche Technik der Moderne sie in diesem Zusammenhang auch denken mögen, sie sind im Hintergrund der ägyptischen Darstellung in überaus einfältiger Manier wiederzuerkennen. Lesen Sie dazu einen Auszug aus Spruch 125, der dem Pharao das Betreten der Halle erleichtern soll: "So komm nun und tritt ein in das Tor der Halle der vollständigen Wahrheit!" "Wir lassen dich nicht eintreten," sagen die Pfosten dieses Tores, "wenn du uns nicht unsere Namen nennst." "Ich lasse dich nicht eintreten," sagt der rechte Flügel des Tores, "wenn du mir nicht meinen Namen nennst." "Ich lasse dich nicht über mich schreiten," sagt die Schwelle dieses Tores, "wenn du mir nicht meinen Namen nennst." "Ich werde dir nicht öffnen," sagt der Riegel dieses Tores, "wenn du mir nicht meinen Namen nennst." "Du sollst nicht auf mich treten," sagt der Fußboden der Halle, "weil ich die Namen deiner beiden Füße nicht kenne." "Eingeführt vor Min ist der Name meines rechten Fußes, Wurzel der Hathor ist der Name meines linken Fußes." "So tritt auf mich, denn du kennst mich!" "Welchem diensttuenden Gott soll ich dich anmelden?"

Nicht nur auf die letzte, auch auf die ersten Anfragen musste der Pharao mit einem komplizierten Code antworten, um die jeweilige Sicherheitsschleuse passieren zu dürfen. Lieber Leser, wenn Sie jetzt instinktiv Vergleiche zu eigenen Jenseitsvorstellungen anstellen, dann sollte es mich sehr wundern, wenn Sie an Ihrem Petrus-Tor ähnliche Sicherheitskontrollen erwarten.

Der Fahrstuhl, der die verschiedenen Stockwerke der Dat miteinander verband, hieß bei den Ägyptern Verborgener Raum. Für ein Volk, das noch nie einen Fahrstuhl gesehen hatte, finde ich den Begriff gar nicht schlecht gewählt, schließlich wissen auch wir ja oft nicht, in welchem Stockwerk sich der Fahrkorb gerade verbirgt.

Der Fahrstuhlschacht hieß bei ihnen, Geheimnisvoller Weg des Imhet. Mit Nachdruck weisen sie daraufhin, dass auf diesem Weg keine Personen wandeln dürfen, denn er ist angefüllt mit den Flammen der Isis. Der untere Haltepunkt wurde Haltepunkt der Götter genannt. Den Fahrkorb selbst beschreiben sie als einen Raum, der gezogen wird, deren Zugmechanismus man jedoch nicht sieht. Sie machen zudem ganz klare Angaben darüber, dass man sich mit den Insassen jederzeit unterhalten kann, sie aber nicht sieht (siehe Abb. 1).


Abb. 1: Darstellung eines Fahrkorbes (Buch der Erde, Teil D, 1. Szene)

Abb. 1: Darstellung eines Fahrkorbes (Buch der Erde, Teil D, 1. Szene)


Welchen hohen Stellenwert die Ägypter diesem Verborgenen Raum beimaßen, mag man daran ermessen, dass sie ihm in ihren ältesten Schriften ein ganzes Buch widmeten. In seiner ersten Ausführung hieß das Amduat (was in der Dat ist), Die Schrift des Verborgenen Raumes.

Zunächst möchte ich Sie auf den Zugmechanismus des abgebildeten Fahrstuhls aufmerksam machen. Sie erkennen ihn am oberen Bildrand. Dort hängt ein "Gott" in einer eindeutigen Haltung über Kopf. Ganz ohne Zweifel ist er für das Halten und Ziehen des Verborgenen Raumes verantwortlich.

Darüber hinaus ist auf der Abbildung sehr schön zu erkennen, dass Osiris nach unten zum Haltepunkt der Götter befördert wird. Dort erwartet ihn bereits Anubis mit einem Helfer. Beide treffen letzte Vorbereitungen an dem Schrein, in dem Osiris nun die nächsten Jahre des interstellaren Fluges in einem Tiefschlaf verbringen wird.

Dabei ist zu beachten, dass dieser Tiefschlaf, nach einer streng einzuhaltenden Vorschrift, erst nach siebzig Tagen Flugdauer eingeleitet werden durfte. Es gab folglich zwei Flugphasen, die der Pharao und mit ihm alle anderen Götter durchlaufen mussten. Die erste Wachphase wird in den Totenbüchern durch eine verblüffende Mobilität seiner Teilnehmer dokumentiert. In diesen Teil sind daher all jene Sprüche anzusiedeln, die von diversen Ortswechseln und Lebensfreude berichten. Der Pharao ruft eine Fähre herbei und lässt sich von grimmig dreinschauenden Fährleuten zum Osirion übersetzen, um dort in der Halle der Wahrheit seinen Vater Osiris zu begrüßen. Er genießt ausgiebig die Freuden der körperlichen Liebe und labt sich zwischendurch immer mal wieder an einem frisch gezapften Bier. Während dieser aktiven Wachphase war das Tragen eines Schutzanzuges (Mumienwicklung) noch nicht erforderlich.

Diese Konstellation beantwortet die brennende Frage der Ägyptologie, warum der Pharao im Jenseits auf vielen Abbildungen ohne seine Mumienwicklung dargestellt wird, obgleich er dort doch eigentlich mumiengewickelt eingeliefert worden war. Hier hätte man die Totenbücher nicht abstrahieren dürfen, denn über diesen scheinbaren Widerspruch machen sie sehr präzise Aussagen. Nach einem zwingend vorgeschriebenen Gesetz durften Mumifizierungsarbeiten am Pharao erst siebzig Tage nach seinem Tod durchgeführt werden.

Diese Zeitspanne verbrachte er in einem hermetisch verschlossenen Vorraum seiner Dat, der durch eine Scheintür mit ihr verbunden war. Er hatte folglich jederzeit Zutritt zu seiner Dat und konnte sich nach Meinung der ägyptischen Priester dort ohne Schutzanzug völlig frei bewegen (Vergessen Sie in dieser Konstellation bitte nicht, dass der Pharao für die Ägypter ein Gott und daher unsterblich war).

Folgende Gründe werden in den Totenbücher für die Einhaltung zweier Flugphasen gemacht: Bei Beginn des Sternenfluges war der Sirius noch nicht am Himmel zu erkennen. Erst nach 70 Tagen Flugdauer wurde er sichtbar, und erst jetzt durfte mit den Vorbereitungen zum Tiefschlaf begonnen werden.

Wenn ich diesen Text aktualisiere und das eingangs erwähnte Raster über seine Aussage lege, dann wird auf einmal klar, was die Ägypter dort kopierten. Der medizinisch kontrollierte Tiefschlaf während eines Interstellarfluges ist auch für uns die einzig akzeptable Lösung, um der gefährlichen Monotonie eines langjährigen Fluges zu begegnen. Dabei ist selbstverständlich zu beachten, dass dieser Tiefschaf immer erst nach Verlassen des Sonnensystems mit seinen gefährlich kreisenden Himmelskörpern eingeleitet werden kann. Erst die Leere des Alls zwischen zwei Sonnensystemen würde es erlauben, den Autopiloten einzuschalten und das Ziel unbeaufsichtigt anzusteuern.

Siebzig Tage, um unser Sonnensystem zu verlassen! Das lässt relativ genaue Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit zu, mit der damals geflogen wurde. Die Ägyptologie wäre vermutlich gut beraten, bei der Beurteilung des Gesamtkomplexes Experten der Raumfahrt hinzuzuziehen.

Nach Ablauf der siebzigtägigen Frist veränderte sich das Leben in der Dat grundlegend, denn von nun an wird der Pharao plötzlich mumiengewickelt in einer liegende Stellung dargestellt (siehe Abb. 2).


Schreine mit göttlichen Herzensmatten

Abb. 2: Schreine mit göttlichen Herzensmatten


Parallel dazu wandelt sich die Qualität der Sprüche, die ihm in dieser unbequemen Rückenlage Tipps und Ratschläge zum Überleben erteilen. Spruch 54 und 55 sind die Sprüche, um dem Pharao genügend Luft zum Atmen zu geben. Spruch 59, 60 und 61 geben ihm Ratschläge, um stets über genügend Trinkwasser zu verfügen. Spruch 166 ist der Spruch der korrekten Kopfstütze. Eine verständliche Maßnahme, denn die Folgen einer langjährigen Schieflage von Kopf und Hals wären natürlich gravierend. Spruch 162 ist der Spruch, um Wärme unter dem Kopf des Pharaos entstehen zu lassen. Ein deutlicher Hinweis auf die Entlastung des Versorgungssystems, denn mit diesem gezielten Wärmeeinsatz konnte der Erhalt der Körpertemperatur mit einem geringen Energieaufwand über Jahre sichergestellt werden.

Die Sprüche 52, 53 und 189 sind die Sprüche, keinen Kot essen, und keinen Urin trinken zu müssen. Speziell diese bizarren Sprüche, mit ihren grotesken Ängsten, haben sehr viel zu den heutigen Definitionen beigetragen, dass die Ägypter wohl doch nicht so ganz richtig im Kopf waren.

Aber sind die Sorgen der Flugteilnehmer nicht durchaus real und verständlich? Mehr noch, sind sie nicht sogar der Beweis eines sehr gesunden Menschenverstandes? Es waren schließlich lebende Körper, von denen hier die Rede ist, sie mussten nicht nur ver-, sie mussten auch entsorgt werden. Jeder von uns kann sich vorstellen, was passiert wäre, wenn die körperlichen Ausscheidungen nicht fachgerecht entsorgt worden wären.

"Mein Abscheu ist Kot, ich will ihn nicht essen, er soll meinen Leib nicht berühren. Ich will ihm nicht zu nahe kommen mit meinen Fingern, ich will ihn nicht mit meinen Zehen berühren", sagt der Pharao in Spruch 189 und liefert uns mit diesen Formulierungen den lebendigen Beweis dafür, dass hier eine liegende Person in ihrem Schrein von ihren berechtigten Todesängsten spricht.

Am Ende des Fluges stellt Re beruhigt fest, dass die Entsorgung aller Körperausscheidungen funktioniert hatte und der Pharao keinen Schaden genommen hat. Aber nicht nur das! Er konstatiert zudem eine deutliche Verjüngung an ihm. Wörtlich sagt er in Spruch 178 (gekürzt): "Rein ist der Mund des Pharaos und rein ist auch seine Zunge. Der Abscheu des Pharaos ist Kot, Urin weist er zurück. Oh Pharao, dies ist deine Gestalt, in der du auf Erden warst! Du bist lebendig und verjüngt, Tag für Tag".

Sie haben immer noch Zweifel, dass es lebende Körper sind, die hier in einem Tiefschlaf gehalten werden? Dann sollten Sie sich die Frage stellen, warum die Teilnehmer dieser zweiten Flugphase Herzensmatte genannt werden, obgleich der Tod mit seinem irreversiblen Herzstillstand doch eigentlich zu den Alltagserfahrungen der Ägypter gehört haben muss.

Gibt es denn überhaupt einen Unterschied zwischen einem Herzstillstand und einer Herzensmattigkeit? Ich denke, dieser Unterschied ist gewaltig, denn die Mattigkeit eines Herzens drückt ja nur eine verlangsamte Bewegung des Muskels aus, auf keinen Fall ist sie einem Herzstillstand gleichzusetzen. Übrigens, selbst Prof. Hornung räumt in seiner Präambel ein, dass sich der von ihm übersetze Begriff Leichnam oft und besser mit Körper (lebend) übersetzen ließe.

Lieber Leser, wenn es am schönsten und interessantesten ist, soll man ermattet aufhören. Ich kann Ihnen in diesem Beitrag leider nur einen Extrakt meiner Arbeit anbieten. In meinem Buch "Tausend Jahre sind für mich wie ein Tag" tauche ich jedoch sehr viel tiefer in das Thema ein und bringe das Ergebnis letztendlich mit anderen Kulturen so in einen Konsens, dass kaum noch Fragen über deren rätselhafte Querverbindungen offen bleiben.

"Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit" (W. Busch). Deshalb am Ende meines Beitrags noch einmal mit allem Nachdruck! Wo ist der junge rebellische Geist, der die verkrusteten Lehrmeinungen des Mittelalters aufbricht und die Ägyptolügen Lügen straft?



"Tausend Jahre sind für mich wie ein Tag"

Weiterführende Literatur
Erwin Wedemann:
"Tausend Jahre sind für mich wie ein Tag"
Djoser-Verlag
ISBN 3-00-005773-0


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