(c) 2000 Christoph Pfister
Vorbemerkung
Dem Kreis des EFODON e.V. sind die sogenannten Viereckschanzen bestens vertraut. Das liegt zum einen auf dem besonderen Augenmerk, welche Gernot L. Geise und andere diesen rätselhaften keltischen Anlagen widmen. Zum andern aber muss festgehalten werden, dass Süddeutschland das hauptsächliche Verbreitungsgebiet dieser Monumente ist man schätzt die Zahl der sichtbaren und nachgewiesenen Schanzen auf gegen 300. Aus dieser Fülle kann nicht nur die archäologische Bodenforschung schöpfen. Auch eine Deutung, wie sie der EFODON e.V. und Geise versuchen, steht damit auf einer breiten Grundlage.
Im folgenden gibt der Autor eine Zusammenstellung der Viereckschanzen oder Rechteckhöfe der Schweiz, weil eine solche bisher noch nicht gemacht wurde. Dabei sind gegenüber Süddeutschland auf einige Verschiedenheiten in der Ausgangslage hinzuweisen. Vor allem muss hervorgehoben werden, dass hier bisher nur wenige solcher Anlagen festgestellt werden konnten: fünf sind sicher, mehrere weitere können begründet werden. Erkenntnisse aus so wenig Beispielen zu gewinnen, scheint ungemein schwierig. Doch hat der Schreiber im Zuge seiner vorgeschichtlichen Forschungen der letzten Jahre auch aus den wenigen Keltenschanzen in der Schweiz interessante Schlüsse auf die Vorzeit ziehen können. Einer Vernetzung der Forschungsergebnisse scheint so grundsätzlich nichts im Wege zu stehen. Dennoch soll hier zuerst der Grundsatz gelten, die obigen Monumente im eigenen Raum und mit eigenen Methoden zu erhellen.
Wissenschaft und Wissensstand über die Keltenschanzen
Man kann wirklich nicht behaupten, dass die offizielle Forschung die sogenannten keltischen Viereckschanzen nicht gebührend berücksichtigt hätte. Nachdem schon K. Schwarz 1959 einen "Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen in Bayern" herausgebracht hatte, folgte Kurt Bittel 1990 mit einem Atlas, der alle damals bekannten Schanzen in Süddeutschland kartographisch wiedergab. Diesem voluminösen Werk wurde auch ein schmaler Kommentarband beigegeben, der versuchte, die damaligen Erkenntnisse zusammenzufassen, die sich hauptsächlich auf die Ausgrabung von Holzhausen bei München in den späten siebziger Jahren stützten.
Zehn Jahre danach ist von Günther Wieland wieder ein zusammenfassendes und reich illustriertes Werk erschienen, das auch Erkenntnisse aus Tschechien und Frankreich, sowie mehrere neu archäologisch untersuchte Rechteckhöfe in die Diskussion einbringen konnte.
Doch wenn man die Substanz der Erkenntnisse, die Bittel bringt, mit denen von Wieland vergleicht, fällt sofort auf, wie gering die Erkenntnisfortschritte der Archäologie tatsächlich sind.
Weiter muss man sich vor allem auf den positivistischen Befund abstützen, also die allgemeine Charakterisierung der Schanzen. Also dass diese entgegen ihrem Namen keine Wehranlagen waren; dass ihre Grundform meistens viereckig, rechteckig oder verzogen rechteckig war; dass sie von einem wenig hohen Wall umgeben waren, dem ein wenig tiefer Graben vorgelagert war. - Zudem besaßen Keltenschanzen immer nur einen Torzugang, der meistens nach Osten oder Westen, aber nie gegen Norden schaute.
Archäologische Grabungen haben das allgemeine Bild der Rechteckhöfe wohl etwas verfeinert, aber nicht unbedingt erhellt. Man fand zum Beispiel in den Innenflächen zum Teil sehr tiefe und verfüllte Schächte. Auch konnte man Palisaden auf den Wallkronen nachweisen. Als Bauten ließen sich in diesen Höfen nur Holzhütten feststellen. Eine spätere Bebauung oder Verstärkung scheint nirgends die Regel gewesen zu sein. Auch die Funde aus solchen Schanzen haben bisher nicht für Aufsehen gesorgt. Einzig einige Anlagen in der Picardie in Nordfrankreich wie Gournay-sur-Aronde und Ribemont die weiter unten ausführlicher erwähnt werden tragen möglicherweise etwas zu einem differenzierteren Bild der Rechteckhöfe bei.
Einem immensen Forschungsaufwand steht im offiziellen Lager auch heute noch also ein dürftiger Erkenntnisgewinn gegenüber. Dass auch die Interpretation der Viereckschanzen seit Beginn des 20. Jahrhunderts umherhüpft, verwundert nicht. Sicher scheint man sich nur in der Datierung zu sein: die Anlagen seien "spätkeltisch" - wobei schon die nachfolgenden "Römer" diese nicht mehr benutzt hätten. Neben der Deutung als befestigte Guthöfe favorisierten die Gelehrten die Erklärung als Heiligtümer und Kultstätten: Die kultische Interpretation erweist sich als Verlegenheitslösung, weil die Tendenz besteht, alles was man rational nicht erklären kann, als kultisch zu bezeichnen. Sogar die in Schanzen nachgewiesenen Schächte wurden demzufolge zu "Kultschächten".
Dass Wieland in seinem neuesten Werk die Keltenschanzen als "Zentralörtlichkeiten der untersten Kategorie" deutet (Wieland; 1999, 20), verrät schon von der komplizierten Wortwahl her, dass man - entgegen der Aussage des Untertitels des Buches - dem Rätsel noch kaum auf der Spur ist.
Auf die Forschungen von Gernot Geise und des EFODON e.V. soll hier nicht eingegangen werden. Aber es zeigt sich, dass deren unkonventioneller Deutungsansatz, der den Schanzen eine primär radioästhetische Funktion zuschreibt, allen offiziellen Erklärungen überlegen ist und es verdient, allgemein wahrgenommen zu werden.
Die Schanzen im System der Landvermessung
Grundsätzlich will der Autor die Schanzen der Schweiz hier nur beschreiben, nicht deuten. Doch es zeigte sich, dass diese Anlagen ohne ein Mindestmaß von Interpretation gar nicht zureichend erfasst werden können. Der Unterschied zwischen einer Keltenschanze und einem gewöhnlichen vorgeschichtlichen Erdwerk ist nämlich oft klein. Und gewisse Merkmale und Formen einer Schanze lassen sich heute nur noch unter Zuhilfenahme von selbständig gewonnenen Erkenntnissen bestimmen. Ohne gleichzeitige Interpretation also keine zureichende Beschreibung einer Viereckschanze.
1997 hat Peter Amann (Amann, 1997) darauf hingewiesen, dass die Keltenschanzen in Bayern sich verblüffend gut in ein Gitternetz von Orientierungslinien in der Landschaft einfügen und dieses Netz teilweise sogar bestimmen.
Im selben Jahr hat der Autor aufgrund einer Neuanalyse der gallorömischen Spuren auf der Engehalbinsel nördlich von Bern eine keltische Landvermessung herausgefunden, die sich für die ganze Schweiz und deren Umgebung als gültig erwies (Pfister, 1997/98). Es zeigte sich, dass die Landschaft von einem vielfältigen Netz von Orientierungsachsen und Visurlinien überzogen war, das alle möglichen natürlichen Punkte wie Findlinge oder Bergspitzen, aber auch künstlich geschaffene Markpunkte wie Burgen und Tempel, als Fixpunkte hatte. Jeder Punkt war also durch seine Position im System der Landvermessung bestimmt.
Grundlage des Systems der keltischen Landvermessung war die Sonnenbeobachtung und die davon abgeleitete Achterteilung des Kreises. Daraus ergab sich nicht nur die Ost-West-, beziehungsweise Nord-Südachse, sondern auch eine Sonnenwendachse mit einer Halbierenden und einer Drittelung.
Zusätzlich wurden die gesetzten Sonnenaufgangswerte für die vier keltischen Hauptfeste im Jahr, die jeweils anfangs Februar, anfangs Mai, anfangs August und anfangs November waren, zu zwei Hauptazimuts zusammengefasst (61° NE und 101° SE, zusammen mit ihren Komplementärwinkeln 150° SE und 12° NE), so dass sich ein kompliziertes Vermessungssystem ergab, das es erlaubte, jeden Punkt und jede Linie in das System zu bringen.
Diese keltische Landvermessung, die der Autor mit immer mehr Fixpunkten und Rechnungsbeispielen erweitert, erweist sich auch als nützliches Werkzeug, um vorgeschichtlichen Strukturen zu verstehen. Beispielsweise zeigt sich, dass Burgen und Oppida häufig nach vermessungstechnischen und geometrischen Prinzipien strukturiert waren.
Und besonders bei den wenigen Viereckschanzen der Schweiz zeigte sich, wie wertvoll die Hinweise aus der alten Vermessung sind. Die Rechteckhöfe sind nämlich als eigentliche "Messhöfe" aufzufassen, die unter anderem auch der Vermessung des Landes und sogar der Erde dienten. - Auch Peter Amann hält zu dieser Auffassung und bezeichnet die Keltenschanzen nach einem für ihn als elementar erachteten Orientierungsazimut von anfangs Februar als (Mariä) "Lichtmesshöfe" (Amann, 27 f.).
Für den Autor ist die keltische Landvermessung auch dadurch so elementar bei der Feldforschung geworden, weil sie erlaubt, sogar die ursprünglichen Orientierungen von gradlinig verlaufenden Wällen und Gräben zu bestimmen..
Die Erkenntnisse über die keltische Limitation des Schweizer Mittellandes werden deshalb auch bei den nun folgenden Beschreibungen angewandt und sind in die angefügten Pläne eingeflossen.
Die einzelnen Anlagen
Bern, Bremgartenwald
Die Schanze befindet sich im Großen Bremgartenwald im Westen der Stadt Bern, auf einem leicht überhöhten Plateau. Das Monument wurde schon Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Berner Altertumsforscher Albert Jahn beschrieben und skizziert. Als keltische Anlage jedoch wurde es erst zu Beginn der 1960er Jahre erkannt.
Die Viereckschanze bildet ein leicht verzogenes Rechteck, dessen Westseite die als einzige noch in der ganzen Länge feststellbar ist eine Länge von etwa 50 Metern hat. Die Nord- und Südseite sind auf etwa zwei Drittel ihrer Länge im Gelände noch feststellbar, während die Ostseite heute durch einen Fahrweg vollkommen zerstört ist. Zwei ältere Planauf-nahmen zeigen, dass die Orientierung der verschliffenen Ostseite vor Jahrzehnten noch sichtbar war.
Die Überhöhung der Schanze ist an der Westseite noch deutlich erkennbar, desgleichen der erhöhte Randwulst der Südwestecke. An allen drei feststellbaren Seiten ist ferner der Graben noch schwach zu erkennen. Ein großer Findling vor der Mitte der Nordseite diente offenbar der vermessungstechnischen Positionierung. Von einer Toranlage ist nichts mehr zu sehen, sie ist auf der zerstörten Ostseite annehmen.
Die vom Verfasser gemessenen Orientierungen von 340° NW, 61° NE und 330° NW (gegen Osten) sind durch Rechnungen eindeutig belegt, während die 61° NE für die Südseite nicht gesichert ist.
Eine besondere Bedeutung kommt der Schanze im Bremgartenwald zu, weil die Nordostecke ein Eck des sogenannten Doppelquadrates von Bern bildet (Pfister 1997/98), einer keltischen Vermessung, welche die Aareschlaufe von Bern zum Mittelpunkt hat: Von der Nordostecke der Schanze beim Punkt 567 trifft die 330°-Linie nach 2,5 keltischen Meilen (Leugen) auf den Schalenstein am Gurten; in nordöstlicher Richtung die 61°-Orientierung nach 1,25 Leugen (1 Leuga = 2225 m) auf die Arena in der Mitte der Engehalbinsel (Pfister, a.a.O). Die Bezüge zur alten Limitation sind gerade bei dieser Schanze erstaunlich. So stößt die Linie des 330° NW-Winkels im Nordwesten auf den gallorömischen Tempelbezirk von Gumpboden auf dem Jensberg südlich von Biel, in entgegengesetzter Richtung nach Südosten aber auf den gallorömischen Tempelbezirk von Allmendingen bei Thun. Diese vermessungstechnischen Erkenntnisse belegen auch, dass die Viereckschanzen in den gleichen kulturgeschichtlichen Zusammenhang gehören wie die übrigen Anlagen.
Die Nähe der Viereckschanze im Bremgartenwald zum alten Bern und zum alten Oppidum von Brenodurum (Bremgarten) bei der Enge sind offensichtlich. Einige hundert Meter nordwestlich der Anlage, beim sogenannten Nägeliboden wurden alte "römische" Spuren undeutlicher Art festgestellt. Bemerkenswert ist ferner 500 Meter westlich des Rechteckhofes der Glasbrunnen, eine Waldquelle, um die sich Sagen ranken und dessen Wasser "warm" sein soll.
Villars-sur-Glâne, Bois de Belle-Croix
Die Viereckschanze liegt auf dem flachen, bewaldeten Hügel von Belle-Croix am südwestlichen Rand von Fribourg/Freiburg, auf dem Gemeindegebiet von Villars-sur-Glâne. Die ursprüngliche Anlage bildete ein verzogenes Rechteck mit einer größten Seitenlänge von ungefähr 150 Metern. Die Orientierungen sind auf drei Seiten noch schwach erkennbar, am besten auf der längsten, der Südostseite. Die vierte Seite, gegen Nordosten, ist bei der Anlage eines Wasserreservoirs zerstört worden; doch kann deren ursprünglicher Winkel wie bei den anderen Seiten durch die keltische Landvermessung einwandfrei bestimmt werden.
Es ist dies die größte bekannte Schanze der Schweiz, auf einem nach drei Seiten aus-sichtsreichen Hügel. Bemerkenswert ist ein Schweif von parallel laufenden Wällen, der sich von der SW-Ecke des Rechteckhofes etwa dreihundert Meter den Abhang bis zum südwestlichen Waldende hinzieht.
Erwähnenswert ist auch in 650 Meter Entfernung westlich im Bois de Moncor einer der größten Grabhügel der Schweiz.
Anderthalb Kilometer südlich vom Bois de Belle-Croix liegt die Glaneburg (Châtillon-sur-Glâne) am Zusammenfluss der Glane mit der Saane, mit einer mächtigen, noch gut erhaltenen Wallbefestigung, welche den Sporn gegen Westen schützt. In der Umgebung des Oppidums sind zahlreiche Grabhügel nachgewiesen und teilweise noch sichtbar.
Marin-La Tène
Die Viereckschanze bildete ein verzogenes Rechteck mit Seitenlängen von ungefähr 60, 75, 70 und 80 Metern. Mehr Einzelheiten sind nicht bekannt geworden.
Interessant ist die Örtlichkeit, die früher "Les Bourguignonnes" genannt wurde ein klarer Hinweis weniger auf die Burgunderkriege der 1470er Jahre, sondern auf alte Bezüge: Aus ähnlichen Gründen heißen viele Viereckschanzen in Süddeutschland im Volksmund "Hunnenschanzen" oder "Schwedenschanzen".
Ebenso interessant, aber nicht beachtet, ist die Schanze von Marin durch die Nähe zu dem berühmten Fundort von La Tène, am Ausfluss der Zihl aus dem Neuenburgersee. In dem Fluss hat man bekanntlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Massenfund von eisenzeitlichen Waffen und sonstigen Gegenständen, sowie von menschlichen und tierischen Gebeinen gemacht. Die Funde waren so bedeutend, dass die Archäologen die (hypothetische) "jüngere Eisenzeit" seitdem La Tène-Zeit nennen. Die meisten Dinge wurden übrigens im Umkreis von ehemaligen Holzbrücken über die Zihl gefunden.
Einen Zusammenhang zwischen dem Rechteckhof und den massenweise weggeworfenen, meistens künstlich deformierten, Schwertern und den übrigen Gegenständen aber lässt sich erst heute feststellen. Die Untersuchungen in den zwei Viereckhöfen von Gournay-sur-Aronde (Abb. 4) und Ribemont-sur-Ancre in der Picardie in Nordfrankreich (Brunaux, 1999) ließen diese Schanzen als Kriegerheiligtümer deuten: Man fand in diesen Orten eine Menge von absichtlich zersplitterten Tier- und Menschenknochen, dazu auch absichtlich verbogene und zertrümmerte Waffen. Es scheint sich bei diesen makabren Stätten um Tropäen, also Trophäen-Monumente, gehandelt haben, in denen man Waffen und Gebeine von Gegnern rituell behandelte und zur Schau stellte.
Ein zweiter Hinweis liegt näher, er kommt aus der Schweiz: Schon um 1850 wurde bei Straßenbau auf dem Tiefenaufeld in dem östlichen Teil der Engehalbinsel bei Bern ein ähnlicher Massenfund von Waffen und anderen Metallgegenständen gemacht. Auch hier waren viele Schwerter absichtlich unbrauchbar gemacht worden, wie die wenigen noch heute erhaltenen Fundobjekte zeigen (Müller, 1990).
Der Zusammenhang zwischen den düsteren Trophäenansammlungen der erwähnten beiden Plätze in der Picardie und den Depotfunden von La Tène und der Tiefenau könnte folgender sein: Die Viereckschanze von Marin-Les Bourguignonnes beherbergte möglicherweise die Metallgegenstände, die später aus unbekannten Gründen an die Zihl gekarrt und über die beiden archäologisch nachgewiesenen Holzbrücken in den Fluss geworfen wurden. Aus demselben Grund kann man in der besagten Tiefenau ebenfalls die frühere Existenz eines Rechteckhofes annehmen, von welchem aber jede Spur verloren gegangen ist. Jedenfalls belegen diese Beispiele zureichend, dass einige Keltenschanzen eine Nebenbedeutung als Stapel- und Ausstellungsplätze für erbeutete Waffen und für Gebeine hatten.
Bei dem Funden an der alten Zihl zwischen Neuenburger und Bieler See ist anzumerken, dass die zerstörten Holzbrücken und die menschlichen und tierischen Skelette auch auf eine erdgeschichtliche Katastrophe hinweisen können: Es ist nachgewiesen, dass das Ostende des Neuenburger Sees seit vorgeschichtlichen Zeiten immer mehr vorgerückt ist. Erst die Juragewässer-Korrektionen des 19. und 20. Jahrhunderts haben diese Entwicklung zur Hälfte rückgängig gemacht.
Ramsen- Schüppel
Die Stelle liegt südwestlich von Singen in Deutschland und nördlich des Dorfes Ramsen im Kanton Schaffhausen, am östlichen Ende der Hochfläche des Ramser Schüppels, eines länglichen, bewaldeten Hügelzuges, der sich von Nordwest nach Südost zieht und an seiner Südostseite die davor liegende Ebene um gute dreißig Meter überragt.
Die Anlage wurde zuerst 1948 beschrieben. Dass dies eine Keltenschanze ist, wurde in Zweifel gezogen, doch die Merkmale stimmen. Nach dem Plan handelte es sich um ein Rechteck von 95 x 85 m. Die Anlage ist jedoch heute im Gelände fast vollständig verschliffen. Sichtbar sind nur noch die Nordwestecke mit einer Sprunghöhe von etwa einem Meter und die Nordostecke mit einer Sprunghöhe von gut zwei Metern. Auch der davor liegende Graben ist an diesen zwei Stellen noch schwach zu erkennen. Die Winkelmessung im Gelände ergab, dass die Längsseiten wahrscheinlich 61° NE, die Schmalseiten 330° NW gefolgt sind.
In 700 m Entfernung des Rechteckhofes auf dem Schüppel wurde 1989 in der Ebene nördlich von Ramsen durch die Luftbildarchäologie eine zweite Schanze im Gelände ausgemacht: Ramsen-Schindergrueb, mit einer Grundfläche von 80 x 80 m (Höneisen, S. 38, Abb.). Das ist für die Schweiz der vorläufig einzige Beleg dafür, dass die Keltenschanzen häufig in einem Verbund angelegt waren (Geise, 65). Und die letztgenannte Anlage bestätigt nicht zuletzt auch die erste.
Redoute des Bourguignons
Diese Schanze liegt in einem Wald auf dem Gemeindegebiet von Vaumarcus im Kanton Neuenburg, 150 m über dem Neuenburger See, am Rande einer Schlucht zwischen den Weilern Fresens und Vernéaz. Der Hof bildet ein längliches, verzogenes Rechteck mit den gerundeten Massen 28 x 50 x 37 x 45 m. Es ist das mit Abstand am besten erhaltene Monument dieser Art in der Schweiz. Der Wall mit einer Außenhöhe von etwa zwei Metern und der Graben auf der Süd- und Westseite sind noch weitgehend intakt. Im Süden wird die Umwallung durch einen Torzugang unterbrochen, der wahrscheinlich alt ist. Bemerkenswert ist ein großer Findling in der Nordostecke der Anlage. Ebenfalls zu erwähnen sind die vielen erratischen Blöcke auf dem kleinen Plateau im Süden des Hofes. Die Orientierungen nach der keltischen Landvermessung mit 12° NE, 281° NW, 36° NE und 126° SE sind zu einem guten Teil belegt.
Am Charakter einer Keltenschanze ist nicht zu zweifeln, obwohl der Name (zu deutsch: Burgunder-Bastion) in eine andere Richtung weist: Danach soll es sich um einen befestigten Vorposten der Burgunder gehandelt haben, die 1476 das südlich gelegene Städtchen Grandson belagerten und dort nachher von den Eidgenossen geschlagen wurden. Doch die überlegene Planung der Anlage verbietet die Erklärung eines hastig aufgeschütteten Befestigungswerkes. Dabei muss zugegeben werden, dass die Redoute des Bourguignons an strategisch günstiger und beherrschender Stelle angelegt ist anders als die vorher beschriebenen Anlagen.
Der Autor weiß aus unbestätigten Quellen, dass in unmittelbarer Nähe der Redoute bedeutende keltische Funde gemacht worden seien.
Weitere vermutliche Anlagen
Ein auffälliger Rechteckhof findet sich auf einem offenem Feld, genannt Riedmatt, in der Gemeinde Morschach im Kanton Schwyz, auf einer Terrasse über dem Vierwaldstättersee und am Fuß der Alpen. Die Anlage wurde vom Autor erst einmal besichtigt und muss daher erst noch genau vermessen werden. Es handelt sich um ein leicht verzogenes Rechteck mit Seitenlängen von je etwa fünfzig Metern. Interessant ist bei dieser Schanze, dass die breiten Gräben aus dem Fels herausgehauen sind; das Monument ist also ein zugehauener Felsstock.
Weil Keltenschanzen sonst Erdwerke sind, so muss hier die Interpretation anders liegen. Und Morschach-Riedmatt wäre ein Beleg dafür, dass sich Schanzen durchaus bis in die Alpen hinein finden lassen müssen.
Wie bei Ramsen im Kanton Schaffhausen hat die Luftbildarchäologie auch im Waadtland einen Rechteckhof im offenen Gelände festgestellt: Bei Nyon am Genfersee (Celtes et Romains dans le Vaud, Abb.). Die Luftaufnahme lässt deutlich ein regelmäßiges Rechteck oder Quadrat erkennen.
Schlussbemerkung
Dass die Schweiz nur wenige Keltenschanzen aufweist, wurde schon erwähnt. Sicher hat es mehr solcher Anlagen im Land gegeben. Es besteht immer noch die Aussicht, dass ein Erdwerk als Schanze erkannt wird. Doch auf eine große Zahl wird man auch in Zukunft nicht kommen. Das Dutzend wird wohl nie vollzählig.
Da stellt sich natürlich die Frage, weshalb die Schanzen in der Schweiz gegenüber Süddeutschland so spärlich vertreten sind. Man kann wie bereits angedeutet regionale Besonderheiten geltend machen. Auch ist zweifellos richtig, dass die intensive land- und forstwirtschaftliche Nutzung und vor allem die gewaltige Mechanisierung viele vor hundert Jahren noch sichtbare Spuren ausradiert haben. Das lässt sich auch belegen, indem bereits wenige Jahrzehnte alte Planaufnahmen von Schanzen, wie die von Bern-Bremgartenwald und Ramsen-Schüppel, eine Situation verzeichnen, die heute nur noch zum Teil im Gelände sichtbar ist. Geht die Entwicklung weiter in der Richtung, so wird nicht nur von den paar Keltenschanzen, sondern auch von vielen Erdburgen und Erdwerken, in ein paar Jahrzehnten kaum mehr etwas sichtbar sein. Eine Interpretation der vorgeschichtlichen Monumente würde damit erschwert oder verunmöglicht. Die heutige Forschung sollte erkennen, wie dringend die kartographische Erfassung der noch vorhandenen alten Spuren in der Landschaft ist. Der Autor versteht diesen Artikel deshalb mehr als Beitrag zur Spurensicherung, denn als Erklärung der keltischen Viereckschanzen.
Literatur
Amann, Peter (1997): Die Landschaft als keltischer Kalender; in: Zeitensprünge IX, 1, 8 ff.
Archäologie der Schweiz (1991): Die Helvetier und ihre Nachbarn; Sondernummer 14/1
Bittel, Kurt et al. (1990): Keltische Viereckschanzen; Bd. 1.2; Stuttgart
Brunaux, Jean-Louis (1995): Die keltischen Heiligtümer im Nordwesten Galliens; in: Haffner; a.a.O.
Les Celtes dans le Jura (1991); Yverdon-les-Bains (Katalog)
Celtes et Romains dans le canton de Vaud; Lausanne 1993 (Katalog)
Furger-Gunti, Andres (1991): Die Helvetier. Kulturgeschichte eines Keltenvolkes; Zürich
Geise, Gernot L. (1998): Keltenschanzen und ihre verborgenen Funktionen; Hohenpeißenberg
Haffner, Alfred (Hg.) (1995): Heiligtümer und Opferkulte der Kelten; Stuttgart
Höneisen, Markus (Hg.) (1993): Frühgeschichte der Region Stein am Rhein; Basel
Das keltische Jahrtausend (1993); Rosenheim (Katalog)
Müller, Felix (1990): Der Massenfund von der Tiefenau; Basel
Pfister, Christoph (1997/98): Brenodurum Bern und die Entdeckung einer keltischen Landvermessung im Berner Mittelland; in: Zeitensprünge IX, 4, 628; X, 2, 235
Wieland, Günther (Hg.) (1999): Keltische Viereckschanzen. Einem Rätsel auf der Spur; Stuttgart
- (1995) Die spätkeltischen Viereckschanzen in Süddeutschland Kultanlagen oder Rechteckhöfe? In: Haffner; a.a.O.
Abbildungen (c) Chr. Pfister