(c) Gernot L. Geise; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 4/2000
Schon vor längerer Zeit teilte uns unser Mitglied Gerhard Halbich aus Gießen mit, dass er Probleme mit seinem Auto habe, wenn er sein Fahrzeug auf einer Wasserader parkt. Halbig fährt einen "Smart", und dieses Fahrzeug ist mit einer aufwendigen Elektronik ausgestattet, durch welche u.a. die Türen geöffnet werden können (oder auch nicht). Die Funk-Fernbedienung fällt auf bestimmten Plätzen aus, so dass die Türen des Fahrzeuges nicht mehr ver- oder entriegelt werden können.
Der naheliegendste Gedanke war natürlich, dass die Schlüsselbatterie leer sei. Doch auch ein Austausch der alten gegen neue Batterien konnte das Phänomen nicht beseitigen, dass an gewissen Stellen - und immer an denselben! - die Funkelektronik ausfällt. Insbesondere waren dies in Gießen die Straßen Am Wieserker Weg und Lauersbach, in der Bleichstraße und Bahnhofstraße, oder der Parkplatz der Uni-Naturwissenschaften.
Halbich ist langjähriger, erfahrener Rutengänger und untersuchte die Plätze mit der Rute. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass unter solchen Plätzen, auf denen die Elektronik ausfällt, besonders stark strahlende Wasseradern verlaufen.
Auf seine inzwischen vorgenommenen Anfrage beim Werk bezüglich der anfälligen Elektronik erklärte man ihm, er solle auf solchen Plätzen den Wagen etwas wegschieben, dann würde die Elektronik wieder funktionieren. Auch die Öffnung der Heckklappe wurde ihm empfohlen. Er könne ja dann über die Sitze nach vorne klettern. Diese Empfehlungen sind für einen Mann im Rentenalter jedoch eine Zumutung.
Das Wegschieben des Smart bei ausgefallener Elektronik bewirkte allerdings, dass sie (vorübergehend) wieder funktionierte.
Halbich wandte sich inzwischen in einem Leserbrief an die Gießener Allgemeine und bat die Leser, ihm zu berichten, ob ihnen schon Ähnliches geschehen sei. Die Resonanz auf seinen Leserbrief war jedoch eher schwach.
"Ein Amateurfunker oder sogar schon eine Mikrowelle in der Nähe" könnten "Elektrosmog" verursachen und die Fernbedienung stören, meinte Roman Wagner vom Service des Autohauses Süd Wurtele. Er empfahl für diese "ganz seltenen" Vorkommnisse: "Aus nächster Nähe müsste es funktionieren." Mit der Automarke habe es nichts zu tun, wie häufig das Problem auftritt.
Laut Gießener Allgemeinen ist in anderen Gießener Autohäusern das Problem angeblich unbekannt. Und im bayerischen ADAC-Technikzentrum habe man nur von "ganz, ganz wenigen Einzelfällen" gehört.
Zu untersuchen bliebe, ob in der Nähe Sendeanlagen für Mobilfunk bestehen. Da in anderen Städten inzwischen die Dächer mit solchen Anlagen bepflastert sind, ist dies auch für Gießen nicht auszuschließen. Mobilfunk-Sendeanlagen strahlen nicht unerhebliche Mengen von Energien aus, die durchaus dazu geeignet sind, eine Elektronik zu stören (von der menschlichen Gesundheit einmal abgesehen). Deshalb schreiben auch viele Fahrzeughersteller in ihrer Fahrzeug-Gebrauchsanleitung, dass Händis nicht im Fahrzeuginneren ohne Außenantenne benutzt werden sollen. Doch wer liest schon die Betriebsanleitung?
In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, dass Audi in seinem Werk Ingolstadt eine EMV-Halle errichtet hat (EMV = Elektromagnetische Verträglichkeit), in der in elektromagnetisch völlig abgeschirmter Umgebung Audi-Fahrzeuge getestet werden, indem sie mit Störstrahlungen beschossen werden, wie sie u.a. beim Händi-Betrieb anfallen. Durch hier durchgeführte Härtetests werden die Abschirmungen der Fahrzeugelektronik entwickelt und geprüft.
Die von Halbich gemuteten Wasseradern mögen einen zusätzlichen Faktor darstellen, der sich vielleicht verstärkend auswirkt. Wir wissen, dass auch die Agressivität von sogenannten Curry-Reizstreifen (Diagonalgitter) durch Mobilfunknetze stark angehoben wird. Vielleicht liegt hier ein ganz ähnlicher Effekt vor? Wer hat in dieser Richtung schon Forschungen angestellt?
In diesem Zusammenhang bittet Gerhard Halbich unsere Leser, zu berichten, ob ihnen schon Ähnliches widerfahren ist, und um ihre Erfahrungen beim Abstellen dieser Störungen.
(Fotos: (c) Gerhard Halbich)