Subliminals

(c) 2000 Gernot L. Geise, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 6/2000

Dass  überall in unserer heutigen  Umwelt  Subliminals zum Einsatz kommen, ist nicht allgemein bekannt. Das liegt jedoch daran, weil dieses Thema anscheinend totgeschwiegen wird, damit nicht  die Interessen finanzstarker Gruppen gestört  werden.
Die  Computer-Zeitschrift c’t in ihrem Heft 14/2000 hat nun einen Leserbrief veröffentlicht, der sich darauf bezieht, dass jene  Zeitschrift in ihrer April-Ausgabe als „Aprilscherz“ eine  Meldung brachte, dass auf  DVDs (das sind Spielfilme auf CDs) versteckte Botschaften vorhanden seien. Der Leser hat es  nachgeprüft und schreibt: „...Mir persönlich ist das Lachen im Halse stecken  geblieben“, denn der „Aprilscherz“ war  keiner. Der Leser empfiehlt, Spielfilm-Videos Standbild für  Standbild durchzusehen, was natürlich, schon vom Arbeits- und Zeitaufwand her völlig unmöglich ist. Er  hat jedoch bereits einige Filme begutachtet  und so manche versteckte Botschaft  gefunden.


Was sind Subliminals?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet „unterschwellige   Beeinflussungen“. Das sind Botschaften oder  Informationen, die nicht über das Bewusstsein, sondern über das Unterbewusstsein bei uns eingeschleust werden. Das Gefährliche daran ist, dass  unser  Unterbewusstsein jede Information wertfrei als „wahr“  aufnimmt und gegebenenfalls nach dieser Information handelt.
Während wir in der Lage sind, offen auf uns kommende  Informationen zu erkennen und  durch unseren Verstand bewusst zu entscheiden, ob wir diese  Information als "wahr" oder „unwahr“ einstufen wollen, ob wir danach handeln oder nicht  handeln wollen, liegt die Sache bei den Subliminals  völlig anders. Unser Unterbewusstsein nimmt sie auf, weil es alle  noch so "unwichtigen" Informationen aufnimmt, während unser  Bewusstsein überhaupt nicht registriert, dass hier eine (unerwünschte)  Informationsaufnahme erfolgt.
Diese biologische Eigenart wird von  verschiedenen Seiten ausgenutzt, um uns zu  bestimmten Dingen zu beeinflussen, ohne dass wir dies bewusst bemerken.
Das beginnt  mit der Kaufhaus-Hintergrund-Musik, der unterschwellige Kauf- und  &bdquAnti-Diebstahl“-Anweisungen  unterlegt sind. Filme sind mit versteckten Botschaften versehen.
Aber es gibt auch andere Anwendungen:  Subliminal-Cassetten, mit denen man sich selbst beeinflussen kann,   beispielsweise um die eigene Persönlichkeit aufzubauen oder zu trainieren oder unliebsame Angewohnheiten (Rauchen...) loszuwerden. Das  sind jedoch Beeinflussungen, denen man sich freiwillig  aussetzt.


Screenshots aus „Hör mal wer da  hämmert“  (im  Original „Tooltime“), im Samstagnachmittagsprogramm von RTL (aus: c’t Nr. 14/2000, Leserforum)


Wie funktionieren Subliminals?
Subliminals können auf verschiedene Art funktionieren. Prinzipiell  geschieht das über  eine Informationsaufnahme, die über das Gehör oder die Augen vor sich  gehen kann. Die akustischen Subliminals sind gesprochene Botschaften, die meist einem  Musiktitel unterlegt und in einer Frequenz  aufgenommen werden, die das menschliche Ohr zwar aufnimmt, das Bewusstsein  jedoch nicht hören kann. Selbst durch genaues Hinhören ist es  nicht möglich, die Botschaften erkennen zu können. Das habe ich  selbst mit Subliminal-Cassetten ausprobiert. Die Botschaften sind jedoch - nur  weil wir sie bewusst nicht hören können  - nicht etwa nicht vorhanden. Unser Unterbewusstsein nimmt sie auf und handelt  danach.
Die optischen Subliminals sind ihrer Technik nach wesentlich &bdquprimitiver“.  Meist handelt es  sich um Werbe-Einblendungen in Filmen. Filme bestehen meist aus etwa 24 Bildern pro Sekunde. Das  ist etwa die Frequenz, bei der unser Bewusstsein nicht mehr zwischen Einzelbildern   unterscheiden kann und fortlaufende Einzelbilder als fließende Bewegungen wahrnimmt. Die durch die Augen  hereinkommende Datenmenge ist zu groß, so dass nur ein Teil vom Bewusstsein  verwertet werden kann. Das  ist gerade so viel, dass wir damit „leben können“. Die alten Super-8-Filme liefen noch mit  achtzehn Bildern pro Sekunde, und auch diese Frequenz reichte  aus, um eine kontinuierliche Bewegung zu erzeugen. Bei  weniger als achtzehn Bildern fängt der Film an zu flackern.
Innerhalb einer  solchen Bildfrequenz ersetzt man ein einzelnes  Bild durch die gewünschte Botschaft. Beim Abspielen blitzt sie nur einen  Sekundenbruchteil auf, viel zu kurz, dass wir sie bewusst erkennen können, denn  die Trägheit unseres  Bewusstseins lässt ein solches Erkennen nicht zu. Diesen Effekt nutzen übrigens auch Zauberkünstler aus,  indem sie verblüffende Tricks mit einer Schnelligkeit vorführen, welche die   Trägheit unseres Bewusstseins übersteigt. Wir können uns dann anstrengen wie wir wollen, es nutzt nichts. Die Natur unserer  Sehorgane lässt zwar Geschwindigkeiten in noch größerer  Geschwindigkeit zu,  unser Bewusstsein kann diese Informationsflut jedoch nicht bewältigen. Alles, was eine gewisse Geschwindigkeit übersteigt, sehen  wir nicht, auch wenn wir es  möchten. Und beim Film wird ein Einzelbild,  das in einer 24-Bilder-Frequenz versteckt ist, von unseren Augen zwar aufgenommen, aber von unserem Bewusstsein nicht erkannt.
Doch   unser Unterbewusstsein hat auch das versteckte Einzelbild erkannt  und die darin versteckte Botschaft, nach der es sich dann richtet, sofern wir ihm die Gelegenheit dazu bieten.
Wie das  funktioniert,  möchte ich an einem Beispiel erläutern: Gesetzt den Fall, in  einem Film wäre eine Zigarettenwerbung untergebracht, dann wäre diese Information bei uns völlig  wirkungslos, wenn wir Nichtraucher sind. Ein  Raucher hingegen könnte beeinflusst werden. Raucher  bevorzugen meist ihre "eigene" Zigarettenmarke. Bewusst werden sie diese jederzeit  kaufen. In einer Situation, wenn „ihre“ Marke ausverkauft ist und sie  entscheiden müssen, welche "Ersatzmarke" sie  kaufen, könnte eine unbewusste Beeinflussung Wirkung zeigen, indem  sie dann - da es letztendlich egal ist, welche „Ersatzmarke“ sie kaufen - zu jener beworbenen  Marke greifen.
Dass Subliminals  funktionieren, beweisen nicht nur die Kauf-Cassetten,  sondern auch Untersuchungen, die man in Kaufhäusern angestellt hat, in denen den Käufern irgendwelche Artikel  suggeriert wurden. Tatsächlich wurden  diese Artikel bevorzugt gekauft.  Das funktionierte sogar bei sogenannten Ladenhütern, die sonst keiner kaufen wollte.
Angeblich sind in Frankreich bei den letzten  Wahlen in Rundfunk und Fernsehen  Subliminals  eingesetzt worden, um das Wählerverhalten zu beeinflussen.
Zurück zum Anfang: Unterschwellige Botschaften sind in fast jedem Spielfilm eingebaut (Fernsehen,  Video, CD, DVD usw.). Da  die  meisten Filme aus Amerika kommen, sind diese Botschaften meist in Englisch, was erstens nicht jeder versteht und zweitens nicht unbedingt auf unsere europäischen   Lebensgewohnheiten abgestimmt ist.
Das soll nicht etwa heißen, dass wir dieses Thema auf sich beruhen lassen können, denn es glaubt doch wohl niemand, dass deutsche Interessengruppen nicht  ebenfalls ihre  Subliminals platzieren!


Literatur
Gernot  L. Geise: „Unsere Existenz: Nur ein Traum?“,  Peiting 2002


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