Die Arbeit an der Zeit

(c) Hanns Ludwig; veröffentlicht in EFODON NEWS Nr. 12/1992 und in EFODON-SYNESIS Nr. 4/2000

Der französische Mystiker und Freimaurer Louis Claude de Saint Martin (1743-1803) schrieb 1775 das Buch "De erreurs et de la vérité", das der Freimaurer Matthias Claudius ins Deutsche übersetzte ("Irrtümer und Wahrheiten"). Darin beschreibt er das Paradies als einen Garten mit sieben Bäumen, deren jeder sechzehn Wurzeln und 490 Zweige habe (16, 7, 490). Wir können eine freimaurerisch-kabbalistische Zahlensymbolik annehmen:

Der Baum hat also drei Zonen und verbindet Erde und Himmel.

a) 16 Wurzeln sind, als Quadrat aus 4 x 4, ein Innen- oder Seelenraum. Sie entsprechen dem quadratischen Allerheiligsten in Salomos Tempel: Es ist im Inneren das Unbewusste (Quadrat), das Erdverhaftete (Vier-Zahl der Erde).

b) 7 Baumstämme ragen wie eine Weltachse (axis mundi) aus 4 + 3 (4 erdverhaftet, 3 himmelstrebend) empor. Es sind 7 Wege, 7 Tugenden als Wege.

c) 490 Zweige sind auch ein Quadrat aus 7 x 7 und dann noch vergrößert durch "mal 10". Es ist im Inneren der Heilige Geist (7 x 7 = 49, nach 49 Tagen die Ausschüttung des Heiligen Geistes). Der siebenfache Weltenbaum ragt also nach oben in den Seelenraum des "großen Heiligen Geistes" und nach unten in den Seelenraum des "dunklen Unbewussten".

Weiter sagt St. Martin, der Mensch könne die Wege der Irrungen zurückgehen, und so gelange er zu dem mittelsten Punkt des Waldes: Das ist nun, bezogen auf das Innere, die Mitte von 16 und von 490. Das sind zahlenmäßig ausgedrückt 16 + 1 und auch 490 + 1. Das fehlende "+ 1" ist "und ich/ich bin/meine Mitte". Die von Irrungen bereinigte Zahlenreihe heißt also: 17, 7, 491. In der Mitte des Inneren angelangt, kann sich der Mensch darin umsehen, die Wurzeln und Zweige anschauen. Es sind 7 x 17 = 119, und es sind 7 x 491 = 3437. Darin ist er zu Hause. Es sind zusammen 3556. Das "Innere" ist die Ortsangabe. Das "Darinsein und Wohnen" ist die Zeitangabe. Auch an der Zeit 3556 fehlt etwas. Irrungen sind zu beseitigen: 3556 + 444 ist 4000. 4000 ist die Zeit, nämlich die Zeit "anno lukis", seit Erschaffung der Welt bis zu Jesus, vom Vater zum Sohn. Das Fehlende trägt den Schlüssel zum Verständnis, es ist die dreifache Vier: 12 = 3 x 4 = 4 x 3. Das ist die Pyramide mit vier Dreiecken über der Erde (und einem Quadrat als Grundfläche). Ganz korrekt ist es die Pyramide mit drei Dreiecken über der Erde (und einem als Grundfläche). Es sind nicht vier Teile über der Erde, sondern korrekt drei Teile über der Erde: die Zeit des "anno lukis" von 4000 Jahren beträgt danach (ohne das Dunkel der Grundfläche) 3000 Jahre.

Die Arbeit, zurück zum Paradies, brachte uns die Arbeit an der Zeit mit 17 und 491: 17 ist "lex et gratia" (10 = Gesetz, 7 = Gnade der Gaben des Heiligen Geistes): das sind Winkel (Gesetz) und Zirkel (Gnade, Bibel). Der Freimaurer arbeitet zwischen Winkel und Zirkel an der Zeit, an der Periode 491: Von hinten nach vorne gelesen (dass im Ergebnis hinten - der Weg ab vorn - mit enthalten ist): 194. Das heißt: 1 (der Absolute) 9 (transzendiert) 4 (zur Vierzahl der Welt). Das bedeutet: Gott erschafft die Welt. Das ist der Schöpfungszusammenhang. Und 17, 7, 491/194 bedeuten: Der Freimaurer arbeitet zwischen Winkel und Zirkel (zwischen Gesetz und Gnade) auf dem schmalen Pfad der Tugend an der Schöpfung/am Licht/an der Zeit/an der Ewigkeit.

Evalvation = Überprüfung der Richtigkeit
Aber wo steht, dass St. Martin diese Auslegung wirklich so meint? Zum Glück hat er Hinweise zur Überprüfung mitgeliefert. Er sagt, es solle ein Abweg sein, "von vier zu neun" zu gehen, dagegen "von neun zu vier" nicht. Auch sagt er, dass "sechsundfünfzig schrecklich sei", man aber zur "Vierundsechzig gelangen solle". Mit diesen Instruktionen wird das Ergebnis überprüft:

1) 3556 wird als Irrung bereinigt zur 4000 hin. St. Martin sagt: "keine 56", also keine 3556. Das wurde beachtet. Außerdem bestätigt es die Wandlung von "16, 7, 490" zu "17, 7, 491" und die Multiplikationen von 7 x 17 und von 7 x 491 mit dem Ergebnis von 3556.

Weiter sagt er, "64" sei erstrebenswert. Gelesen als "6 mal die 4" sagt er etwas zur Überwindung der 3556: "3556 + 444 + 444 = 4444". 4444 ist wieder das Quadrat aus 4 x 4, dem Seelenraum. Die Quersumme von 16 ist 7. Also im Seelenraum (Quadrat, 4) die 7 (der vollkommene Mensch). Das ergibt in der Quersumme 11 (7 + 4): der in der Seele (4) Vollkommene (7) ist Jesus (11). Er ist das Ziel der Zeit: die Einmündung in die Ewigkeit bei ihm.

2) Nicht "von 4 zu 9", sondern "von 9 zu 4" sagt: nicht 491, sondern 194 (die Null bzw. die Eins werden ausgelassen. Diese Ersetzung wird nicht berührt). Die Zahlenumkehr ist dadurch deutlich.

Damit sind vier Zahlenhinweise St. Martins (56, 64, 4 zu 9, 9 zu 4) in Übereinstimmung mit der vorgenommenen Deutung. Ja, sie haben sogar das Ziel der Zeit (siehe oben: vom Vater zum Sohn) noch deutlicher gemacht (4 + 7 = 11) und dabei der Zahl 4000 keine große Wichtigkeit gegeben. Sie ist zwar markiert, aber doch übergangen, zum wahren Ziel hin.

Literatur
Ernst Bindel: "Die geistigen Grundlagen der Zahlen", Frankfurt 1987, S. 9-11.


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