© 1997 Frank Joseph (Colfax, Wisconsin/USA); veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 22/1997
Die spektakulärste Entdeckung in der Archäologie-Geschichte muss man es wohl nennen, als Taucher in den Gewässern südlich von Japan die gut erhaltenen Ruinen einer prähistorischen steinernen Stadt entdeckten und fotografierten. Die Kette der kleinen Ryukyu-Inseln, wo diese Ruinenstätten liegen, erstreckt sich vom Südende Japans aus ins Meer (1).
Die ersten Strukturen wurden, im Frühjahr 1995, zufällig von Sporttauchern entdeckt. Im Laufe der folgenden achtzehn Monate wurden etliche versunkene Gebäude, mit Gehsteigen und Straßen dazwischen, entdeckt. Es wurden auch sechsseitige und kreisrunde Formen beobachtet, aber am häufigsten waren rechtwinklige Muster. Stufen und Treppen, in die verkrusteten Mauern eingearbeitet, sind deutlich zu sehen. Obwohl alles Anzeichen großen Alters und von Erosion durch starke Meeresströmungen zeigt, scheint die Stadt im wesentlichen intakt zu sein.

Abb. 1
Insgesamt wurden bisher Beispiele monumentaler Architektur an fünf verschiedenen unterseeischen Örtlichkeiten gefunden, die in der Nähe von drei verschiedenen Inseln liegen. Die am leichtesten zugängliche dieser Stellen liegt nur etwa 170 Meter vom Ufer entfernt, nahe der Stadt Chatan am südwestlichen Ende von Okinawa, bei der kleinen Insel Kerama. Genau westlich davon, fünfzig Kilometer von Okinawa, wurde eine andere Ansammlung von stilistisch ähnlichen Strukturen gefunden.
Aber die bisher spektakulärste Entdeckung wurde im September 1996 gemacht, als Taucher sich von den tückischen, starken Meeresströmungen um die Insel Yonaguni, fünfhundert Kilometer südwestlich von Okinawa, nicht abschrecken ließen. Sie fanden dort eine enorme Pyramiden-Plattform, etwa achtzig Meter lang. Dank der ungewöhnlichen Durchsichtigkeit des Wassers um Yonaguni, mit Sichtweiten von über dreißig Metern, konnten die Taucher die kolossale Struktur in ihrer ganzen Ausdehnung sehen.
Sie ist zwanzig Meter hoch, der oberste Teil liegt nur fünf Meter unter der Meeresoberfläche. Auch sie hat Treppen und breite Stufen, was an ein massives öffentliches Zeremonialzentrum denken lässt. Stilistisch zeigt sie nahe Verwandtschaft mit den fünf anderen Unterwasser-Stätten. Auch entdeckten die Taucher, dass alle die größeren Strukturen nach Süden orientiert sind, vielleicht aus einem allen gemeinsamen, religiösen Grunde. Dass alle diese Überreste zusammengenommen irgendeine Art Stadt-Zivilisation darstellen, erscheint sicher, da sie sich über mehr als fünfhundert Kilometer am Meeresgrund hinziehen.

Abb. 2
Wie sie alle dorthin gekommen sind, stellt das größte Rätsel dar, dem sich die Forscher gegenüber sehen. Natürlich sind ja zwar die japanischen Inseln ob ihrer starken seismischen Aktivität berüchtigt, aber die Strukturen um Okinawa zeigen nicht die Spuren eines solchen Kataklysmus, zerstörte und umgestürzte Bauten. Sie sind relativ intakt und stehen noch immer. Nichts ist umgestürzt, und man bemerkt auch nichts von den Zerstörungen, wie sie für Erdbeben oder Vulkanausbrüche typisch sind. Eher hat man den Eindruck, dass sie in einem ansteigenden Ozean untergegangen sind (2).
Jedoch stand - etlichen Forschern zufolge - das Weltmeer allerspätestens vor 7.000 oder 8.000 Jahren fünfundzwanzig Meter tiefer als heute (in dieser Tiefe befindet sich die Pyramiden-Plattform bei Yonaguni). Die meisten Meeresforscher widersprechen einer solch späten Datierung und glauben, dass der Meeresspiegel vor 1,7 bis 1 Million Jahren fünfundzwanzig Meter tiefer lag, d.h. mindestens 500.000 Jahre vor der Entstehung des Menschen (3).
Vielleicht handelte es sich um die Kombination eines relativ ,,sanften”, aber anhaltenden seismischen Absenkens des Meeresbodens mit einem gleichzeitigen Anstieg des Pazifik, der die Monumentalbauten in ihre heutige Tiefe hinunterbrachte, vielleicht vor 5.000 oder mehr Jahren, als die Menschheit möglicherweise anfing, eine Hochkultur zu entwickeln. Nachgewiesene menschliche Besiedelung auf Okinawa reicht 19.000 Jahre zurück, aber die Anfänge einer Hochkultur finden wir frühestens 9.000 Jahre später mit der Jomon-Kultur und ihren berühmten Seefahrern im Gebiet der Ryukyu-Inseln.
Aber das sind nur Spekulationen. Die versunkenen Strukturen bei Okinawa sind eine Realität. Allein schon ihre Existenz macht Revisionen erforderlich. Nicht nur bezüglich unserer Vorstellungen über die Entstehung von Hochkultur, sondern auch in der Ozeanographie. Wir wissen zwar noch nicht, wie eine so eigenartige Stadt-Zivilisation auf den Meeresgrund kommt. Aber indem wir sie mit ähnlichen Strukturen auf dem festen Land vergleichen, können wir uns vielleicht einer Identifizierung ihrer längst verstorbenen Erbauer und Bewohner annähern. Allerdings um den Preis, dass wir möglicherweise herkömmliche Interpretationen der Vorgeschichte über Bord werfen müssen.

Abb. 4
In Noro auf Okinawa gibt es ein paar zeremonielle Bestattungs-Gewölbe, die mit nichts sonst in Japan vergleichbar sind, die aber einige Ähnlichkeit mit den vor der Küste liegenden Unterwasser-Strukturen haben. Sie sind, recht einleuchtenderweise, primär den Vorfahren der Inselbewohner geweiht. Ihre Architektur weist einige ähnliche Elemente wie die große untergegangene Struktur bei Chatan auf, Stufen- und Quaderformen. Bemerkenswerterweise ist das in Okinawa gebrauchte Wort für diese Gewölbe - Moai - dasselbe wie das von den Polynesiern auf der sechstausend Meilen entfernten Osterinsel für die berühmten Langohr-Statuen gebrauchte, die ja angeblich deren Vorfahren darstellen sollen!
Nicht weniger erstaunlich finden sich die deutlichsten stilistischen Affinitäten zu der untergegangenen Stadt-Zivilisation noch weiter weg als die Osterinsel, nämlich an der Pazifik-Küste Südamerikas. Dort finden sich Ruinen prähistorischer Bauten, die jenen, die jetzt bei Japan entdeckt wurden, ähneln: die präinkaischen Ruinen von Pachacamac (bei Lima) und das 2.000 Jahre alte Zeremonial-Zentrum der Mochica in der Nähe von Trujillo, dem modernen Seehafen in Nord-Peru.
Wie in einer vorangegangenen Nummer des ANCIENT AMERICAN (No. 15) beschrieben, war Pachacamac eine große ,,Heilige Stadt”, deren religiöser Mittelpunkt eine rechteckige, vielstufige Pyramide war. Ebenso ähnelt der sogenannte ,,Sonnentempel” der Mochica-Kultur dem unterseeischen Monument bei Chatan. Er war der kolossale Mittelpunkt einer Stadt, die im 1. Jahrhundert n.Chr. um die 30.000 Einwohner hatte. Auch der Mochica-„Tempel” ist eine in unregelmäßigen Stufen ansteigende Pyramiden-Plattform, rechtwinklig, allerdings aus ungebrannten Adobe-Ziegeln gebaut.
Pachacamac und der Mochica-„Sonnentempel” sind nicht die einzigen analogen Bauten in Peru, aber sie sind unter den am besten erhaltenen für Vergleichszwecke mit ihren Gegenstücken bei Okinawa. Im Grunde waren sie die ausgereifteren, obwohl weitgehend unveränderten Abkömmlinge vorangegangener peruanischer Zivilisationen, wie die Salavarry-Kultur, die bis -3.000 zurückreicht (oder noch fünfhundert Jahre weiter zurück, dem Diorama im Chan-Chan-Museum in Trujillo zufolge). Was sie zeit-gleich machen würde mit der Entstehung der sumerischen Zivilisation in Mesopotamien, die ebenfalls Zeremonialzentren errichtete, die jenen auf Land an der Peru-Küste und den jetzt versunken, vor den japanischen Küsten aufgefundenen im Grundsätzlichen ähnlich waren.

Abb. 5: Zeichnerische Rekonstruktion der Unterwasser-Anlage bei der Insel Yonaguni. Der Meeresboden liegt hier 25 Meter unter der Wasseroberfläche, die höchsten Teile der Anlage nur fünf Meter unter Wasser (Super Mystery Magazine, Tokyo, zitiert in: Ancient American No. 17)
Diese Parallelen deuten darauf hin, dass in der vorgeschichtlichen Vergangenheit irgendein verbindendes Prinzip am Werk war, ja sogar eine ,,Vermittler-Kultur”, die so weit reichte, dass sie sie alle beeinflusste und vielleicht sogar verband.

Abb. 6: Modellrekonstruktion der Prä-Inka-Anlage von Pachacamac im Museum für Antropologie und Archäologie in Lima, Peru. Diese Anlage zeigt große Parallelen zu den gefundenen Unterwasser-Anlagen bei Japan (William Donato, Ancient American No. 17)
Während die Neuigkeiten von der Entdeckung bei Okinawa in ganz Japan Schlagzeilen machen, bleiben die US-amerikanischen elektronischen und Druck-Medien merkwürdig stumm. Nicht eine einzige unserer Archäologie-Zeitschriften hat ihren Lesern auch nur ein einziges Wort über diese Entdeckung mitgeteilt. Ihre Weigerung, sie auch nur zu erwähnen, spricht sehr zugunsten ihrer Kritiker. Die behaupten nämlich, dass eine voll bewusste Verschwörung existiert, der Öffentlichkeit alle Informationen vorzuenthalten, die gewissen Theorien zuwiderlaufen, die als scholastisches Dogma ausposaunt werden. In der Tat hat die japanische Entdeckung ausgesprochen traumatische Implikationen für unsere Establishment-Archäologen, deren berufliche Karriere auf dem Prinzip beruht, dass es versunkene Städte nur in den Romanen von Jules Verne gibt.
Aber die fotografische Dokumentation der unterseeischen Ruinen bei Okinawa hat ihren so lange kultivierten Unglauben zunichte gemacht. Noch schlimmer für sie, die Entdeckung hat wieder das Lebenswerk eines Mannes aus der Vergessenheit geholt, den sie siebzig Jahre lang als zur ,,Spinner-Szene” gehörig verdammt hatten. James Churchward glaubte, dass einst im Pazifik eine mächtige Zivilisation existierte, die schließlich durch eine Serie von Naturkatastrophen vernichtet wurde. Aber ihre Kultur sei so weitreichend verbreitet gewesen, dass ihr Einfluss noch heute anhand der Mythen und unerklärlichen steinernen Ruinen Polynesiens verfolgt werden könne: im Westen nach Asien, im Süden nach Australien, und nach Osten bis zu den Küsten Südamerikas, Kaliforniens und der restlichen Pazifik-Küste Nordamerikas.
Churchward zufolge wurde sie ,,Mu” genannt, oder - wie die Römer sagten - ,,Lemuria”. In Japan war der Glaube an diese untergegangene Kultur stets stark, wenn auch vielleicht nur deswegen, weil einige der alten japanischen Überlieferungen sehr in die Richtung deuten, dass Churchwards Schlussfolgerungen zumindest im Grundsätzlichen zutreffend waren. So waren die Namen der ersten halb-legendären Kaiser beispielsweise als Jimmu, Timmu, Kammu etc. überliefert - oder als Jim, Tim und Kam von ,,Mu” -, womit auf ihre Herkunft von jenem untergegangenen Zentrum vorsintflutlicher Größe angespielt wurde.
Im Norden Japans heißt ein Fluss Mu. Dort zumindest ist der Name mit dem Wasserelement verbunden. Bemerkenswerterweise bedeutet das Wort auf Japanisch ,,nichts”, oder ,,etwas das nicht existiert”, ebenso auf Koreanisch, vielleicht ein Überbleibsel der Vor-Zivilisation, die ,,nicht existiert”. Als die versunkene Stadt bei Okinawa aufgefunden wurde, identifizierten sie die Japaner daher gleich als das untergegangene ,,Mu”, von dem sie schon so viele Generationen vor Churchward gehört hatten.

Abb. 7: Alte Anlagen auf Okinawa zeigen eine große Ähnlichkeit zu den versunkenen Strukturen, die jetzt entdeckt wurden. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang (Super Mystery Magazine, Tokyo, zitiert in: Ancient American No. 17)
Nicht jeder ist bereit zuzugestehen, dass Okinawa ,,Mu” ist, aber viele Japaner sind sich da sicher. Aber was auch immer die wahre Identität ihrer Stadt auf dem Meeresgrund sein mag, sie stellt zweifelsohne eine einzigartige Entdeckung dar, die die Archäologen zwingen wird, die Anfänge unserer Geschichte - und wohl auch die Geschichte der Entstehung von Hochkultur auf der Erde - umzuschreiben.
Anmerkungen
(1) Vgl. auch die Kartenskizze! Die Inselkette trennt das Ostchinesische Meer (East China Sea) vom eigentlichen Pazifik im engeren Sinne. Die südwestlichste Insel Yonaguni, bei der sich die spektakulärsten Überreste dieser prähistorischen Hochkultur befinden, ist nur noch gut hundert Kilometer von Taiwan entfernt (Anm. d. Red.).
(2) Ein ansteigender Ozean könnte mit dem ,,Ende der Eiszeit” (sofern die Eiszeit-These zutreffen sollte) oder mit einem Zustrom kometischer Eismassen aus dem Kosmos zusammenhängen. Ebenso ist aber ein tektonisches Absinken des Meeresbodens denkbar (Anm. d. Red.).
(3) Die ganze ,,Story” von der Entstehung des Menschengeschlechtes und die Zeitskala für die geologischen Epochen erscheinen derzeit extrem fragwürdig (Anm. d. Red.).
Anmerkungen d. Red.
Weiterführende Lektüre hierzu etwa von Horst Friedrich: ,,Lag bis 1576 ein Kontinent im Pazifik?”, in: WISSENSCHAFT OHNE GRENZEN, Nr. 3/1996 sowie David Childress: ,,Lost Cities of Ancient Lemuria & the Pacific”, Stelle/Illinois (USA), 1988.
In einer Schlussbemerkung des Original-Artikels bedankt sich Frank Joseph beim Editor des japanischen SUPER MYSTERY MAGAZINE, Ryoji Imawaka, für die Erlaubnis, für seinen Beitrag Material aus Vol. 5/No. 186 jener Zeitschrift zu entnehmen. Die Adresse des SUPER MYSTERY MAGAZINE ist: 4-23 Sakuragaokacho, Shibuya-Ku, Tokio 150, Japan.