Neue Erkenntnisse und neue Fragen zu den Großsteinanlagen im Emsland und im Oldenburger Land
Von der EFODON-Forschung vom 20. bis 22. März 1998 und danach
© 1998 Pit Schellenberg, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 29/1998
Ein ausführlicher Bericht über die aufgesuchten Großsteinanlagen und die Teilnehmer bei unseren Nachforschungen erschien in der EFODON-Vereinsbeilage EFODON NEWS Nr. 45 (Mai/Juni 1998). Aber einige Ergebnisse sollen hier zusätzlich erwähnt werden.
Unser Team hatte seine Basis in der Jugendherberge in Börger (im Emsland, etwa zwischen Cloppenburg und Papenburg) gewählt, da hier bereits eine recht gut erhaltene Großstein-Anlage auf dem Gelände neben der Herberge liegt. Am Wochenende untersuchte unsere Gruppe Steinsetzungen dort in der Umgebung.
Anschließend blieben Gernot L. Geise, Michael Skiera, Martin Becker und Pit Schellenberg noch einige Tage in Reckum bei Wildeshausen. Teils, um die gewonnenen Erkenntnisse auszuwerten, teils, um neu aufgeworfene Fragen zu diskutieren, und auch, um neue Ansätze zu finden.

Beim „Großsteingrab am »Osteresch«“

Michael Skiera (links) stellt erstaunt fest, dass sein Satellitenpositionsempfänger in einer Steinsetzung „bei den Düvelskuhlen“ keinen Satelliten mehr empfangen kann. Auch Gernot L. Geise (rechts) ist erstaunt darüber.
Dass auf der Autobahn A1 im Bereich der Ahlhorner Heide überdurchschnittlich häufig schwere Unfälle passieren, hat sich inzwischen, über die betroffene Region hinaus, herumgesprochen. Man braucht nur öfter den Verkehrsfunk zu hören. Dass in der Nähe der Unfallstellen die Großsteinsetzungen ,,Visbeker Braut“ und ,,Visbeker Bräutigam“ liegen, wissen meist nur die Einheimischen. Offiziell besteht da natürlich kein Zusammenhang. Dennoch fangen manche Menschen in der Region mittlerweile an, hörbar darüber nachzudenken. Trotz ihrer teilweise erheblichen Zerstörung schwingen die Anlagen noch stark und strahlen, mit kleinem Öffnungswinkel, zur nahegelegenen Autobahn.
Die Erkenntnisse von Rutengängern und Pendlern werden von vielen noch mit Naserümpfen betrachtet. Die haben wohl den im Auftrag des Bundesforschungsministeriums von Betz und König herausgegebenen Wünschelrutenreport noch immer nicht gelesen. Aber in diesem Beitrag geht es nicht darum, das Rutengehen zu verteidigen. Hier geht es um etwas, das jeder Interessierte mit technischem Gerät nachprüfen kann.
Unser Mitglied Michael Skiera hatte seinen satellitengesteuerten Navigationsrechner zur Positionsbestimmung für die Steinsetzungen mitgebracht. Innerhalb einer Steinsetzung meldete das Gerät, dass es keinen Satelliten empfangen könne. Drei Meter außerhalb arbeitete das Gerät wieder problemlos. Wir wiederholten den Versuch, um sicher zu sein. Das Gerät versagte in der Steinanlage wieder. Es gibt darin Stellen, wo es noch funktioniert, an anderen nicht.
Eine gleichartige Erfahrung habe ich an den Reckumer Steinen mit meinem drahtlosen Telefon (D-Netz) gemacht. An manchen Stellen in der Nähe der Steinsetzung funktioniert es einfach nicht (kein Empfangssignal). In beiden Fällen befanden sich die Geräte in ansonsten freier Landschaft (mit Gebüsch und/oder Wald) auf gleicher Höhe oder oberhalb der höchsten Steine. Eine Abschattung von Funksignalen zwischen Sender und Empfänger im landläufigen Sinn - wie durch Betonburgen in den Großstädten -- kommt also nicht in Betracht.

In der Nähe mancher Großsteinanlagen wachsen Bäume oft etwas eigenwillig, für einen Rutengänger ein sicheres Zeichen für eine vorliegende Störung.

Michael Skiera und Karen Himstedt prüfen mit einem Satellitenpeilempfänger zur Positionsbestimmung, ob neben einer Steinsetzung ein Empfang noch möglich ist.
Bei nächster Gelegenheit werden wir einen batteriegetriebenen Allwellenempfänger und - wenn möglich - ein Funktelefon für das E-Netz zusätzlich mitnehmen. Wir wollen versuchen, möglicherweise vorhandene Gesetzmäßigkeiten für den Einfluss der Großsteinanlagen auf elektromagnetische Schwingungen zu finden oder aber feststellen können, dass sie ohne nachvollziehbaren Einfluss sind.
Die beobachteten Erscheinungen machen die Teilnehmer in unserer Forschungsgruppe jedenfalls sehr nachdenklich.
In einem Zeitschriftenartikel, den ich von Monika Kruse (AAS-Gruppe Berlin) vor einigen Jahren beim ,,One Day Meeting“ der AAS in Mannheim bekam, war schon empfohlen worden, zu solchen Untersuchungen auch ein Kofferradio mitzunehmen. Monika Kruse sucht nach einer für den Bau aller Megalithanlagen gemeinsam gültigen Formel. Sie hat schon etliche Anlagen genau kartiert.

Wenig beschädigter Deckstein in einer Großsteinanlage „bei Deymanns Mühle“.
Unser EFODON-Team geht davon aus, dass die Anlagen früher weiträumig miteinander korrespondierten. Dadurch, dass die meisten davon inzwischen beseitigt wurden (meist zur Gewinnung von Baumaterial für den Haus- und Straßenbau bis in die Nachkriegszeit hinein), fehlt heute der Zusammenhang. Bei den meisten abgeräumten Anlagen ist heute weder ihre frühere Position noch ihre ehemalige Ausrichtung bekannt.
Auch da, wo wir heute noch die alten ,,Steinhäuser“ (Steenhus auf plattdeutsch) finden, sind die meisten, die einst existierten, längst unkontrolliert abgeräumt und damit spurlos verschwunden. Es wird also bestenfalls nur teilweise möglich sein, irgendwann einmal etwas über den Umfang der Bedeutung dieser Anlagen herauszufinden. Zumindest im flachen Teil des norddeutschen Raumes waren sie mindestens so häufig wie weiter südlich die Keltenschanzen. Da die oberirdischen Steinsetzungen der Zerstörung weit stärker ausgeliefert waren als die unterirdisch angelegten Teile der Keltenschanzen, dürfte der Schaden bezüglich der Klimabeeinflussung auch größer sein.
In den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts wurden zwar auch im Süden unseres Landes aus Unwissenheit und Landgier oberirdische Steinsetzungen beseitigt. Die neuen Traktoren aus den USA machten es möglich. Und wenn seitdem Blitze auch dort einschlugen, wo sie es vorher nie getan hatten, so hat sicher niemand einen Zusammenhang gesehen. Ich erinnere hier an unsere Untersuchungen im Gelände um Waldbüttelbrunn vor Jahren.
Nach meiner Einschätzung hat man die Steinanlagen hauptsächlich als Ersatz für Keltenschanzen in Gebieten mit hohem Grundwasserpegel gebaut. Im flachen Gelände steigt der Grundwasserspiegel bei starken Niederschlägen oft bis fast an die Oberfläche. Dadurch würde eine Keltenschanze elektrisch, und damit auch schwingungstechnisch, kurzgeschlossen. Somit wäre sie wirkungslos. Näheres zur Funktion und Bedeutung von Keltenschanzen werden wir in Leo Berlachers Buch lesen können, das in Vorbereitung ist. Ob und wie weit das Aufstellen von Maibäumen in der Gegend bodenständiges Brauchtum ist, und ob hier ein Zusammenhang besteht zu Keltenschanzen oder Steinsetzungen, wird zukünftig zu erfragen sein.
Zwei Keltenschanzen haben wir in Dötlingen (nahe Wildeshausen) auch gefunden, aber in relativ selten anzutreffender Höhe neben einem alten Ludrenplatz (mit heute noch guter Sichtverbindung durch den Wald zum Kirchturm!). Aber diesmal hatten wir danach nun nicht gesucht. Diese Entdeckung ist uns nebenbei zugefallen. Um mehr Klarheit über mögliche Zusammenhänge mit den noch vorhandenen Großsteinanlagen zu bekommen, besteht also auch hier noch Forschungsbedarf.
Fotos: Pit Schellenberg;
„Großsteingrab am »Osteresch«“: Geise