Die Indus-Schrift ist entziffert!

© Kurt Schildmann; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 5/1994

Die Indus-Schrift verriet mir ihr Geheimnis. Es könnte also aus Bonn, in Richtung Südasien, ein kleines Stück Weltgeschichte in Gang gebracht werden. Der berühmte Schmetterlings-flügelschlag ... Vor siebzig Jahren wurde, mit der Induszivilisation (Ausgrabungen in Mohenjo Daro, später in Harappa und vielen anderen Plätzen), auch die Indus-Schrift entdeckt. Bislang ist sie, trotz vieler Bemühungen, nicht entziffert.

Nach herrschender Lehre trat die Indus-Zivilisation um -2600 in ihre urbane Phase, gegründet auf Schriftbeherrschung. Zur gleichen Zeit kam es in Ur (in "Chaldäa"/Sumer) zum pompösen Königsfriedhof und in Ägypten begann die dem Alten Reich vorgelagerte Thinitenzeit. Doch an der Schrift in den Indusstädten ist nichts primitiv. Es ist eine Schrift vornehmlich mit Zeichen für offene Silben (vgl. ka, ta, pa) wie in den späteren indischen Schriften. Dazu auch Zeichen, die zwei Silben oder auch Konsonantencluster erfassten. Dazu finden sich sinnfällige Piktogramme, auch verwendet als Determinative. Wie der indische Archäologe S. R. Rao (1973, 170-213) glaubt dartun zu können, gibt es in der Indus-Schrift hinsichtlich des Konsonantenwertes einer Reihe von Zeichen, optisch eingeschätzt, Ähnlichkeiten mit Zeichen der altsemitischen Konsonantenschrift, die aber nach herrschender Lehre (akzeptiert von Rao) erst zwischen dem 16. bis 13. Jahrhundert v.C. aufkam; das wäre fünfhundert Jahre nach dem Erlöschen der urbanen Phase der Indus-Zivilisation.

Daraus wäre zu folgern: eher hat das semitische Alphabet (von dem letztlich unser Alphabet abstammt) Elemente der Indus-Schrift übernommen, als umgekehrt. Dann stünde also die Indus-Schrift am Anfang der eurasischen Schriftgeschichte, in glänzender Ausprägung noch dazu! Die sumerische Schrift ist vergleichsweise chaotisch. Die Konsonantenschrift der Semiten und des Alten Ägypten wäre ein missratenes Plagiat (Rao hat recht: etwa zehn semitische Konsonantenzeichen finden sich in Indus-Silbenzeichen wieder, doch wagte Rao unter dem Druck der herrschenden Lehre es nicht, bei der Sprachsuche an reines Sanskrit zu denken).

Das ist nun die Lage: ich lese reines Sanskrit in dieser Indus-Schrift aus Fundstätten, die mehrheitlich heute, hinduistisch gesehen, in Feindgebiet, im moslemischen Pakistan liegen. Die in der Indus-Schrift behandelten Themen sind hinduistisch, Gott Shiva ist Hauptfigur (geschrieben ´si-va). Sein sechsköpfiger Sohn (Kriegsgott) findet Erwähnung. Die von den Engländern gebilligte Teilung Indiens ist ein Unrecht, historisch gesehen (vgl. die Argumente der Israeli).

Eine Wiedervereinigung, im Gorbatschow-Geist, wäre sinnvoll. Wie wird sich nun die Völkergemeinschaft gegenüber dem Milliardenvolk der Indischen Union verhalten? Hat die Aussagekraft von Urgeschichte und urzeitlicher Hochkultur überhaupt noch Bedeutung im sich abzeichnenden Kampf um nacktes Überleben auf diesem übervölkerten Planeten?

Es ist dramatisch zu sehen, dass in der heutigen Weltlage viele Menschen die Augen verschließen vor der Zukunft und vor der Vergangenheit. Es hinzunehmen, dass Geschichte abgeschafft wird, Berufung auf akzeptable Gene, und dass die grandiosen Leistungen der Vorfahren bagatellisiert werden. Aus diesem Werteverlust dürfte uns die größte Gefahr erwachsen.


(nach oben) . (zurück zur Themen-Übersicht)