Der Mensch als das Urwesen?
Über die Frage, wie alt unsere Spezies sein kann (oder darf)
(c) François de Sarre, veröffentlicht in EFODON NEWS Nr. 6/1992
Wohl entsprang der Mensch dem Biologischen, nicht aber etwa den tierischen Strukturen, wie wir sie heute kennen.
In diesem einzigen Satz wird zusammengefasst, was ich aus meinen persönlichen Forschungen über den Ursprung des Menschen ermittelte. Dabei beziehe ich mich auf die Theorie der "ursprünglichen Zweifüßigkeit" (bzw. der "archaischen Bipedie"), wie sie erstmals 1926 von dem deutschen Anatom Max Westenhöfer veröffentlicht wurde.
Was ich mit meinem obigen Satz meinte, gilt auch für die fossilbekannten Formen. Was uns die offizielle Paläontologie vor Augen schillern lässt, ist nur eine Trugwelt, von und mit einst lebenden, und nunmehr meist ausgestorbenen Formen. Immer vergessen wird dabei, dass nur eine geringe Anzahl von den damals vorherrschenden Tier- und Pflanzenstrukturen den Weg bis zu uns schafften. Es handelt sich hierbei meist um sehr spezialisierte (panzertragende, dickknochige) Formen, oder um welche, die in für die Fossilierung günstigen Milieus lebten: sie sollten nicht stellvertretend für alle Lebewesen von damals angesehen werden und einschränkend von diesem Gesichtspunkt her von den modernen Wissenschaftlern untersucht werden.
Auf der anderen Seite (1) werden manche Entdeckungen, was die Versteinerungen betrifft, offiziell nicht wahrgenommen und berücksichtigt, einfach, weil sie zu störend sind... Sicher schlafen da, unter zentimeterdicker Staubschicht, hunderte von Beweisstücken in den Kellern mancher Museen!
Bekanntlich lässt die heutige Wissenschaft rein gewohnheitsmäßig den Menschen von irgendwelchen Australopithecinen oder ähnlich aussehenden Hominiden aus dem späten Tertiär Ostafrikas abstammen. Aus dieser simplen Arbeitshypothese wird der Schluss gezogen - und als bewiesene Tatsache hingestellt! - dass der Mensch nicht älter als ein paar Millionen Jahre sein dürfe (erheblich weniger in seiner Sapiensform, den Knochenfunden entsprechend).
Wirft man einen objektiven Blick auf alle die bekannten fossilen Hominiden, so gewinnt man den Eindruck, dass es sich um Vertreter früherer Menschengruppen handelt, deren knochige Reste durch günstigere Konservierungsbedingungen bis in unsere Zeit erhalten wurden und von unseren Paläontologen eifrig ausgegraben werden, wobei gleichaltrige sapiens-Gebeine nicht diese Chance haben oder viel schwerer aufzufinden sind.
Es bleibt auch die Frage offen, ob nicht etwa bis zu unserer modernen Zeit haarige Wildmenschen oder Menschen-Abkömmlinge in abseits gelegenen Gebirgen und üppigen Wäldern überlebten? Dies ist u.a. das Forschungsfeld der Kryptozoologie (Wissenschaft der geheimen oder wenigbekannten Tiere) meines Zoologenfreundes Bernard Heuvelmans, der diesen Wissenschaftszweig in den 50er Jahren ins Leben gerufen hat. Auch B. Heuvelmans ist übrigens ein eifriger Verfechter der "ursprünglichen Zweifüßigkeits"-Theorie.
Die Nicht-sapiens-Hominiden, ob rezent oder fossil, dürfen auf keinen Fall als unmittelbare "Ahnenformen" des heutigen Homo angesehen werden... Sie gehören lediglich in die natürliche Variationsbreite des Menschen. Am Anfang ihrer Entwicklung stellen sie Rassen dar. Sie trennten sich dann allmählich vom sapiens-Stamm, indem sie möglicherweise zu neuen Hominiden-Spezies (Vorgang der Dehumanisierung oder "Entmenschlichung") wurden und späterhin als Ausgangspunkt zukünftiger Tiergeschlechter dienen könnten (Fortsetzung des Dehumanisierungsprozesses, Übergang zu einer quadropeden Bewegungsweise usw.).
Ich bin davon überzeugt, dass in den vergangenen Erdepochen der gleiche Zustand wie heute oder in vorgeschichtlichen Perioden vorlag, die Verteilung der Hominiden betreffend. Es müssten auch innerhalb der Formen bei den Primaten ("Herrentieren") annähernd gleiche Verhältnisse vorgeherrscht haben, d.h., dass neben der Urform Homo (in meinem Sinne handelt es sich um eine sapiens-ähnliche Form, aufrechtgehend und rundköpfig), gleichzeitig folgende Formen lebten:
- einstmals sich zugleich im Vorgang der Dehumanisation befindende Hominiden, die, je nach dem Grad ihrer Entwicklung, wie die von unserer jüngeren Vergangenheit her bekannten Neandertaler, Pithecanthropen und Australopithecinen aussahen.
- Großaffen, die soeben durch ihre ständige Lebensweise in Bäumen den Schritt zur Quadropedie vollbrachten, wie die heutigen Schimpansen, Gorillas und Orangs.
- Die Reihe der Baum- oder Bodenaffen und Halbaffen,
- deren einzelne Vertreter über den Primatenstand hinaus ihre Evolution fortzusetzen vermochten und sozusagen neue Säuger-Familien "gründen" konnten (2).
Daraus kann sich naturgemäß die Vielfalt der übrigen Wirbeltiere, wie wir sie heute kennen, entwickelt haben, die sich in ihrem körperlichen Bauplan immer mehr von der bipeden Urform, der Wurzel entfernen...
Die Theorie der ursprünglichen Zweifüßigkeit entwickelte sich als Versuch, die wahre Stammesgeschichte des jetzigen Homo sapiens zu ermitteln, wobei herausgehoben wird, dass zwei anatomische Grundeigenschaften, nämlich der aufrechte Gang auf zwei Beinen (perfekte Bipedie) und die Kugelform (Sphärizität) des Kopfes, bei den Ursäugern bereits Primärerwerbungen waren. Beweise dazu finden sich in der Embryologie:
In den frühen Stadien ihrer Entwicklung gleichen sich alle Säugerembryonen (siehe Abbildung) und darüber hinaus Embryonen aus anderen Wirbeltierklassen.
Die Köpfe sind rundlich und groß im Verhältnis zum übrigen Körper. Die Schnauze tritt gar nicht oder kaum hervor. Die aufrechte Haltung erscheint sehr natürlich, wogegen ihre erzwungene Darstellung in der Vierfüßlerhaltung ("auf allen Vieren") verkehrt am Platz aussehen würde.
Wie der Berliner Professor Max Westenhöfer (1948) zusicherte, besteht der Grund dazu in der zu dieser Schädelform gehörenden Blickebene der Augenachse. Dies ist ein Hinweis dafür, dass alle quadropeden Tiere am Anfang ihrer embryonalen Entwicklung biped veranlagt sind. Mit anderen Worten: es sind potentielle Zweifüßer. Der heranwachsende Mensch behält lediglich diese Grundeigenschaft bei, sowie das andere Primärmerkmal der Rundung des Kopfes (in welchem sich ein performantes Hirn entfalten kann).
Die Theorie der ursprünglichen Zweifüßigkeit stützt sich weiterhin auf die Erkenntnis, dass der anatomische Bauplan des humanen Wesens altertümlich ist. Bezeichnend war diese körperliche Primitivität bereits für den Typus des einfachen, archaischen Ursäugers mit solchen Zügen, wie der Pentadaktylie (3) oder dem lückenlosen, orthodonten, unspezialisierten Gebiss (gerade stehende Zähne eines Allesfressers). Im Gegensatz zu allen anderen höheren Säugetieren hat ferner der Mensch Eigenschaften der inneren Organisation (Nieren, Milz, Blinddarm), sowie physiologische und Verhaltensfähigkeiten (Tauchreflex, Luftanhalten unter Wasser, Spontanschwimmen von Kleinkindern usw.) bewahrt, durch die er sich direkt an die aquatische Urform anknüpft.
Schaut man sich die auf allen Vieren laufenden Tiere, die unter uns leben, gut an, so fällt es auf, dass sich ihr Aussehen und die Bewegungsweise sehr leicht auf ein bipedes Urdasein, am Anfang ihrer Entwicklungsgeschichte, zurückverfolgen lässt! Der erworbene Gang auf vier Beinen zwingt das Tier, während seiner embryonalen Entwicklungsphase den Kopf weit nach hinten (wegen der Blickebene!) zu halten. Das Gewicht des Schädels nach vorne hin wird durch das Heranwachsen von mächtigen Kiefern (das ist die Bildung der tierischen "Schnauze") ausgeglichen. Nun entstehen physische Veränderungen (durch die Verengung der Hirnkapsel) und beeinflussen rückwirkend die Körperhaltung. Der aufrechte Gang geht allmählich verloren, aber nicht zunächst die Bipedie). Vom Schädelkasten weiterhin bedrängt, verliert das Gehirn noch an Größe und büßt erheblich weitere Funktionen ein. Der Vorgang der Dehumanisierung setzt sich fort. Als Anpassung an neue Lebensbedingungen können aus den bereits vorhandenen Anlagen der menschlichen Anatomie weitere spezialisierte Züge (Klauen, Hörner, Stoß- und Reißzähne, Flügel, Flossen...) auftreten.
Die Formbildung des Menschen führt uns bis zum Stadium des prähumanen Meerwesens zurück, das sich in ältester erdgeschichtlicher Zeit in den Ozeanen entwickelte, und daraufhin das Land eroberte (nicht zu verwechseln mit dem "üblichen" Quastenflosser!). Es wäre hier wohl zu lange, eingehend darüber zu berichten, vielleicht sind dies Themen für weitere Artikel.
Wenn wir recht überlegen, dürfte somit der von allen Wissenschaftlern vergeblich nachgestellte Urahn aller Wirbeltiere dem menschlichen Typus ähnlicher gewesen sein als irgendwelchem Tierbauplan...
Und da haben wir wiederum den Boden für eine (wenn auch gewagte!) Altersbestimmung des menschlichen Geschlechts gewonnen: unsere direkten Vorgänger verweilten auf der Erde, bevor Sonderspezialisierungen (wie das Laufen auf vier Beinen oder die Umwandlung der Extremitäten in Flossen...) bei Wirbeltieren auftraten. Wir dürfen also erwarten, bereits während des Paläozoikums, wenn nicht gar früher, den Menschenstamm als solchen zu finden. Es waren warmblütige, mehr oder minder behaarte, großköpfige Zweifüßer, mit frei beweglichen Händen, rundem Kopf und leistungsfähigem Hirn, was die humane Intelligenz voranstellte.
Der Mensch war also bestimmt zur Zeit der Dinosaurier (Mesozoikum) bereits da, und er sah kaum anders aus als heute!
Wie ich in früheren Veröffentlichungen (4) bereits zur Diskussion brachte, trug der Mensch von damals höchstwahrscheinlich die Verantwortung mit, dass die Riesensaurier (wie viele andere Tier- und Pflanzengattungen) nach und nach allmählich ausstarben. Man sieht ja heutzutage, was mit unserer Umwelt geschieht, geschweige denn durch Atomkriege. Es dürfte einleuchtend sein, dass der Mensch an diesem Prozess maßgeblich beteiligt ist.
In der Tat, unser Geschlecht ist alt, uralt...
Doch der irdische Mensch leidet sozusagen periodisch an "Gedächtnisschwund" und vergisst, was er für ein Lebewesen ist, woher er seinen Ursprung nahm, und wie weit es noch gehen kann...
Dies alles dürfte doch, besonders in unseren verwirrungsvollen, modernen Zeiten, Grund genug sein, einmal darüber nachzudenken?
Ergänzende Schriften:
Viktor Farkas: "Stammesgeschichte einmal anders" (EFODON NEWS 2/1991)
Bernard Heuvelmans & B. Porchnev: "L'Homme de Néanderthal est toujours vivant" (Ed. PLON, Paris, 1974)
François de Sarre: "Archaische Bipedie: Zoologische Beweise zum hohen Altertum des Menschen" (MYSTERIA Nr. 71 bis 74, 1989)
Anmerkungen
(1) darüber berichteten bereits Viktor Farkas ("Stammesgeschichte einmal anders") und Wilfried Stevens ("Das 'Rätsel' Mensch - Waren die Dinosaurier einst Nachbarn des Menschen?") in den EFODON NEWS, und ich in MYSTERIA ("Archaische Bipedie: Zoologische Beweise zum hohen Altertum des Menschen")
(2) siehe dazu meine Artikel in BIPEDIA Nr. 5/1990 und 7/1991
(3) Fünffingrigkeit und Fünfzehigkeit
(4) MYSTERIA Nr. 71 - 74 (Halver, 1989); 3° MILLENAIRE Nr. 12 - 17 (Paris, 1989); BIPEDIA Nr. 5/1990; 7/1991