Mu gefunden?

Neue Nachrichten zum Artikel von Frank Joseph über die versunkene Hochkultur im Pazifik (in EFODON SYNESIS Nr. 22/1997)

© 1999 Uwe Topper; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 31/1999

 

Frank Joseph nannte es „die spektakulärste Entdeckung in der Archäologie-Geschichte”, und Miguel Seguí schreibt (in AÑO CERO, Sept. 98, S. 8-10): „es könnte die wichtigste archäologische Entdeckung des Jahrhunderts sein”. Aber wo sonst als in derartigen Außenseiter-Zeitschriften findet man Nachrichten oder Fotografien dieser aufregenden Entdeckung? Joseph wundert sich mit Recht, dass die US-Medien keine Notiz von diesen sensationellen Funden nehmen und weist auf die mögliche Verschwörung hin, „der Öffentlichkeit alle Informationen vorzuenthalten, die gewissen Theorien zuwiderlaufen”.

Dieser Eindruck verstärkt sich um so mehr, als die japanischen Zeitschriften die wunderbaren Entdeckungen voll ausschlachten und schon eine Ur-Zivilisation im japanischen Raum entworfen haben. Man ist stolz auf die Hochkultur-Ahnen und nimmt sie für viele Entwicklungen der frühen Menschheit in Anspruch.



Nun hat mich der erwähnte Artikel von Seguí noch ratloser gemacht. Nicht 1995, wie Joseph schrieb, sondern schon zehn Jahre früher, 1985, sind die pyramidenartigen Bauten, südlich der Insel Yonaguni, entdeckt worden, und der Geologe Masaki Kimura beschäftigt sich seit dreizehn Jahren mit diesen rätselhaften Unterwasserstrukturen! Druckfehler oder Fehlinformation? Wohl kaum, denn nicht nur die genannte Zeitschrift ist für ordentliche Informationen bekannt, der ganze Artikel macht einen überaus vorsichtigen und nachprüfbaren Eindruck.

Da werden immer wieder Akademiker zitiert, die diese frühgeschichtlichen Bauten untersucht haben und stets den Zweifel voranstellen, etwa in dem Sinne: „Falls es sich nicht um natürliche geologische Formen handelt, sondern um menschengeschaffene Strukturen ...” und der Artikelschreiber wiederholt selbst diese Ausdrucksweise. Teruaki Ishii, Professor für Geologie an der Universität von Tokio, ist sich allerdings sicher, dass diese Strukturen zumindest teilweise Arbeiten von Menschen waren.

Kann man den Unterschied zwischen Naturschöpfung und Menschenarbeit wirklich so schwer feststellen, selbst wenn das Tauchen in einem gefährlichen Meer ganz andere Bedingungen auferlegt, als die Begehung einer ägyptischen Pyramide? Immerhin liegt die Sichtbarkeitsgrenze wegen außergewöhnlicher Klarheit des Wassers bei Yonaguni „über dreißig Meter”, und die Spitze des Bauwerks liegt nur fünf Meter unter der Wasseroberfläche (Joseph, S. 21). Im Artikel von Seguí (S. 9) beträgt die Sichtweite sechzig Meter und die Spitze liegt zehn Meter (bzw. zwölf Meter für ein anderes Bauwerk) unter Wasser. Ich möchte nicht kleinlich sein, sondern nur klarstellen: die Bedingungen zur Bestimmung der Objekte sind optimal.



Menschengeschaffen oder Laune der Natur, das scheint also doch fraglich zu sein. Die Beweisführung für Menschenkonstruktion, die der Meeresgeologe Masaki Kimura (Universität von Ryukyu auf Okinawa), der mit dem Entdecker der Unterwasser-Ruinen von Yonaguni, dem Sporttaucher K. Aratake, zusammenarbeitet, mutet jedoch nicht schlüssig an: Es müssten Schuttbrocken und Verwitterungsreste am Fuße der Gebäude zu finden sein, wenn es sich um natürliche Formationen handeln würde, sagt er. Ich denke dagegen, Meeresströmungen, die dort zuweilen sehr reißend sein sollen, könnten jegliche Art von kleinem Schutt fortgetragen haben.

Frank Joseph sprach von „verkrusteten Mauern, in die Stufen und Treppen eingearbeitet sind”.

Er benützt auch erstmals den Ausdruck „die ganze Stadt”, während sonst eher von einzelnen Zeremonialgebäuden die Rede ist. Aber soviel ist auch in dem neuen Artikel von Seguí sicher: Es handelt sich um Mauern, die aus enorm großen behauenen Steinblöcken zusammengesetzt sind. Da gibt es Treppen und Säulen, Arkaden und Alleen, von Gehsteigen gesäumt (S. 9). Damit müssten eigentlich alle Zweifel verschwinden.



Auf den Fotografien sieht man eindeutig geradlinige Felskanten, scharf und schnurgerade gezogen, leider keine Fugen. Ob die Blöcke so fugenlos aneinandergesetzt wurden, wie wir dies bei den peruanischen Bauten gewöhnt sind, die mehrfach als Vergleichsstücke herangezogen wurden? Auch Arkaden und Säulen sind nicht zu sehen, statt dessen allerdings immer wieder eine Pyramide. Auffälligerweise ist das Bildmaterial sehr gering. Wir haben nur die besten Aufnahmen vor uns.

Außer von Aratake und seinen Kollegen gibt es auch Aufnahmen von Michael Arbuthnot, dessen Expedition in diesem Jahr einige neue Daten hinzufügen konnte: Die Mauern im Meer südlich von Okinawa formten vermutlich eine Festung. Es müssten beim Bau gute Werkzeuge verwendet worden sein, und auf den Plattformen entdeckte er Pfostenlöcher, die wahrscheinlich für Holzaufbauten dienten, die natürlich längst vom Meer fortgespült wurden.

Je länger ich die Fotos - in Farbe und von sehr guter Auflösung - betrachte, desto klarer wird mir, dass diese Bauten, „falls es solche sind”, noch nicht sehr alt sein können. Auch unter Wasser gibt es Erosion, wenn auch schwächer als an der Oberfläche.



Und damit komme ich zu einem kritischen Punkt, der in den beiden genannten Artikeln gleichermaßen anzukreiden ist: Die Datierungsvorschläge sind absurd! Mal ganz abgesehen von den 1,7 Millionen Jahren, die geologischerseits ins Feld geführt werden - nämlich als „Beweis” für die Unmöglichkeit menschlicher Bauten zu jenem Zeitpunkt - werden auch die fünftausend Jahre Alter, die Joseph den Bauten geben möchte, ohne den geringsten Anhaltspunkt vorgebracht, einfach „aus den Fingern gesogen”. Und bei Seguí, der Berichterstatter ist und sich auf verschiedene Akademiker beruft, kommen Zahlenangaben wie achttausend Jahre vor (so der schon genannte Tokyoter Geologieprofessor Teruaki) und zehntausend Jahre, wie Robert Schoch (Prof. für Geologie an der Universität Boston) vorschlägt, der nur einige Gebilde, die kleineren, als zweifelsfrei menschliche Bauten anerkennen möchte.



Diese Herren wissen noch gar nicht, von wem und wie diese „möglicherweise menschengeschaffenenen” Bauwerke geschaffen wurden, aber eine Datierung haben sie sofort zur Hand. Da möchte man Spott säen, aber indem man diese naiven Spinnereien im Nebensatz abtut, ist nichts erreicht. Wann werden die Akademiker endlich aufwachen und merken, dass ihr gesamtes Chronologiegerüst, vom vermeintlichen Urknall bis zu Papst Calixtus („II.”), nicht den geringsten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben kann?



Sicher dagegen ist, dass Beweise für den vermuteten und lang ersehnten Kontinent MU jetzt in greifbare Nähe gerückt sind. Genaugenommen waren dafür schon immer genügend Beweise vorhanden. Eine Hochkultur im Pazifik konnte mit wissenschaftlichen Argumenten nicht geleugnet, nur dogmatisch unterdrückt werden. Thor Heyerdahl hat uns das ein Leben lang mutig vorgemacht. Aber die Rückschlüsse auf Sumer, Ägypten und Peru sind weit verfrüht. Bei aller Gleichartigkeit menschlicher Ausdrucksformen, auch in der Architektur, können solche Analogien doch nicht als Datierungsmuster benützt werden. Denn wir wissen bislang wirklich nicht, wann die bekannten oberirdischen Bauten geschaffen wurden.

 

Anmerkung

Der Verfasser möchte alle Leser bitten, vor allem „Internetsurfer”, neuere Nachrichten über die japanischen Unterwasser-Bauten zu sammeln und gelegentlich in unseren Heften zu veröffentlichen. Das schlichte „Versenken” dieser ungewöhnlichen Entdeckungen verhindert wissenschaftlichen Fortschritt!

Außer den beiden genannten Artikeln sei noch auf folgenden aufmerksam gemacht:

Friedrich, Horst: „Lag bis 1576 ein Kontinent im Pazifik?” in Wissenschaft ohne Grenzen, 3/1996 (Suhl)

Abbildungen aus „Año Cero” Nr. IX/98.

 


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