Gernot L. Geise

Das „Marsgesicht“, und was daraus gemacht wurde

(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 28/1998)

Die NASA hat es laut herausposaunt, und alle, alle Medien haben es bereitwillig kritiklos übernommen: Die amerikanische Marssonde Global Surveyor (MGS) ist über die Marsregion Cydonia geflogen und hat mit ihrer hochauflösenden Mars-Orbiter-Kamera (MOC) das „Marsgesicht“ fotografiert.


Diese Struktur soll das „Marsgesicht“ darstellen. Von der NASA veröffentlichter MGS-Fotoausschnitt.


Das war nicht etwa eine Selbstverständlichkeit, denn in den Anfängen des MGS-Projektes war - nach NASA-Angaben - ein Überflug dieser Region (angeblich) nicht geplant. Erst - wie es heißt - auf Druck der Öffentlichkeit, und weil um die dortigen Objekte viel Unsinn erzählt werden würde, habe sich die NASA entschlossen, auch die Cydonia-Region zu überfliegen. Selbstzufrieden rekapituliert die NASA nun, sie hätte es ja immer gesagt, dass es sich hierbei nur um ein zufällig entfernt menschenähnlich aussehendes, völlig natürliches Gebilde handele. Und das veröffentlichte Bild scheint diese NASA-Behauptung zu untermauern. Es zeigt den Ausschnitt aus einem Bildstreifen, der am 4. April vom MGS aufgenommen wurde, und das die NASA mit 4,42 km Breite und 82,94 km Länge angibt. Das Bild entstand bei der 220. Mars-Umkreisung des MGS, aus einer Höhe von 444,21 km. Die Bildpunkt-Auflösung beträgt 4,32 Meter pro Bildpunkt (im Vergleich: die Bildpunkt-Auflösung der Viking-Sonden betrug etwa  50 x 50 Meter).


Das von der NASA veröffentlichte Übersichtsfoto stammt von Viking 1. Eingezeichnet ist hier der Bildstreifen, der den von MGS fotografierten Ausschnitt darstellen soll (Foto: NASA)


Die Welt ist's zufrieden. Die „Spinner“, die immer von künstlichen Artefakten geredet haben, sind endlich definitiv widerlegt worden. Es ist ja „nur ein natürlicher Höhenzug“, eine Art Gebirgshochland. Eine Mesa oder Hochgebirgslandschaft, sagte Surveyor-Chefwissenschaftler Arden L. Albee der „Washington Post“. „Jeder, der mit einem Flugzeug geflogen ist, wird wahrnehmen, dass es sich um eine natürliche Erscheinung handelt. So etwas kann man an vielen Stellen auf einem Flug von Washington nach Los Angeles sehen." (1). Der Eindruck eines Gesichtes entstehe durch das von Rinnen und Graten verursachte Licht- und Schattenspiel.

Diese Ansicht ist nicht neu, die NASA vertritt sie, seit das „Gesicht“ entdeckt wurde. Zuletzt wurde diese Ansicht, zu früheren NASA-Verlautbarungen leicht modifiziert, gegen Ende 1997 veröffentlicht und merkwürdigerweise auf 1995 zurückdatiert. Doch stimmt sie wirklich?

Beim Betrachten des von der NASA verblüffend eilig veröffentlichten Bildes regen sich doch leichte Zweifel, die sich mehr und mehr verstärken. Man ruft sich in Erinnerung, was im Laufe der Zeit unabhängige Forscher mit den verschiedensten Methoden herausgefunden haben. Sollen sie wirklich alle einer ganz lapidaren Täuschung aufgesessen sein?

Sicher, die extremen Kontrastüberzeichnungs-Entwicklungen, beispielsweise durch  Dr. Mark J. Carlotto angefertigt,

zeigen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jetzt veröffentlichten Bild eines tafelbergähnlichen, flachen Gebildes.

Doch schaut man genauer hin, so fällt auf, dass sich bereits der links unterhalb des „Gesichtes“ befindliche Krater auf dem jetzt veröffentlichten Bild nur in einem annähernd ähnlichen Winkel zum „Gesicht“ wie auf den Viking-Aufnahmen befindet. Auch die hügelförmige Struktur unterhalb des „Gesichtes“ kann nur mit großem Vorbehalt als entfernt ähnlich bezeichnet werden. Als „NASA-Geschädigter“ fragt man sich unwillkürlich: Hätten die NASA-Bildentwickler hier nicht ein bisschen geschickter fälschen können?

Die Umrisse und die auf den Viking-Bildern sichtbaren Details stimmen nur entfernt überein bzw. fehlen ganz. Außerdem ist das gezeigte Gebilde offenbar relativ flach, während das „Gesicht“ auf den Viking-Vergleichsbildern einen deutlich sichtbaren, ausgeprägten Schatten wirft. Wenn es sich jedoch nur um eine relativ flache Oberflächenstruktur handelt, wie soll dieses Relief dann einen derart ausgeprägten Schatten werfen können?

Vincent DiPietro und Gregory Molenaar konnten bereits in den siebziger Jahren mithilfe von Falschfarben-Auswertungen der Viking-Bilder definitiv nachweisen, dass das „Gesicht“ so etwas wie Augäpfel mit Pupillen aus einem anderen Material enthält. Wo sind diese Details auf dem neuen NASA-Foto?

DiPietro und Molenaar lieferten mit ihren Falschfarben-Entwicklungen auch erstmalig den Nachweis für zahnreihenähnliche Strukturen im leicht geöffneten „Mund“ des „Marsgesichtes“. Später wurde dieser Nachweis durch andere Forscher mit anderen Bildentwicklungstechniken bestätigt. Hierbei hat sich insbesondere Dr. Mark J. Carlotto Verdienste erworben. Bezüglich Recherchen und unermüdlicher Publikation ist hier herausragend etwa Richard C. Hoagland zu nennen.

Ich habe mir seinerzeit von der NASA Original-Negative der entsprechenden Viking-Bilder schicken lassen und konnte durch eigene Extrementwicklungen feststellen, dass selbst ein „Amateur“ in der Lage ist, „Zahnreihen“ - zumindest auf dem Viking-Foto 35A72 - sichtbar zu machen! Soll ich mir das jetzt alles nur eingebildet haben?

Seit der Entdeckung des „Marsgesichtes“ haben sich inzwischen ganze Heerscharen von Wissenschaftlern mit diesem Objekt beschäftigt - übrigens auch NASA-Forscher -, Kapazitäten aus den Bereichen Archäologie, Geologie, Remote Sensing (!), Bildbearbeitung, Architektur und planetarer Wissenschaft. Durch alle diese Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass es sich bei diesem und anderen Cydonia-Objekten mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um künstlich bearbeitete Strukturen handelt.

Und diese - teilweise mit großem persönlichen Geldaufwand verbundenen - Forschungen sollen nun alle „Spinnerei“ gewesen sein? Nein, danke, so einfach kann es sich die NASA nicht machen. Meine persönliche Meinung dazu ist: Global Surveyor hat bei seinen Umkreisungen des Roten Planeten eine Menge Bilder geliefert, doch ob es sich bei dem von der NASA veröffentlichten Bildstreifen überhaupt um die Cydonia-Region oder

um eine andere Region mit zufällig entfernt ähnlichen Strukturen handelt, ist reine Glaubenssache. Nach eingehenden Untersuchungen von Dr. Carlotto scheint es jedoch dieselbe Struktur zu sein.


Die zwei Bildstreifen zeigen das von der NASA veröffentlichte MGS-Bildmaterial. Der linke (dunkle) Streifen zeigt das unbearbeitete Bild, wie es vom MGS zur Erde gefunkt wurde. Der rechte Bildstreifen zeigt das von der NASA aufbereitete Bild. Das „Marsgesicht“ soll die Struktur etwa in der Bildmitte darstellen.

 

Zum Vergleich bietet die NASA einen Bildausschnitt an, der aus dem Viking-Bild 35A72 erstellt wurde. Vergleichen Sie selbst, inwieweit hier eine Ähnlichkeit besteht.


Während bei den Viking-Bildern am Bildrand jedes Fotos jeweils Bilddaten eingeblendet waren, einschließlich der Bildnummer und der Grauwerte-Verteilung der Aufnahme, dem jeweiligen Aufnahmewinkel, Flughöhe usw., fehlen diese Angaben in den veröffentlichten MGS-Bildern. Die NASA veröffentlicht diese Daten zwar auch, doch separat. Es ist nicht nachvollziehbar, ob sie überhaupt zu dem jeweiligen MGS-Bild gehören.

Einer wie auch immer gearteten Manipulation wären hier also Tür und Tor geöffnet.  Nicht, dass ich (in diesem Fall) der NASA bewusste Betrugsabsichten unterstellen will - die auswertenden Wissenschaftler werden wohl nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten. Doch ein Sprichwort sagt „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ...“, und die NASA hat uns in den letzten Jahrzehnten mehrfach angelogen. Somit muss sie es sich gefallen lassen, dass ihre Veröffentlichungen genauestens unter die Lupe genommen werden.


NASA-Bildbezeichnung: face-alo

NASA-Bildbezeichnung: face-w-c

NASA-Bildbezeichnung: face-raw


Zumindest im Fall „Marsgesicht“ muss die NASA ein größtes Interesse daran haben, dass der „Nachweis“ für ein natürliches Objekt erbracht wird, weil sie solches schon immer behauptet hat. Man nennt so einen Vorgang „Gesichtswahrung“. Wie treffend! Man darf nicht vergessen, dass die NASA in all den Jahren seit der Viking-Mission sämtliche Forschungen unabhängiger Wissenschaftler total ignoriert hat. Wie würde die NASA wohl vor der Weltöffentlichkeit dastehen, wenn sie zugeben würde, dass sie sich jahrzehntelang geirrt hat? Wahrscheinlich besser, als mit allen Mitteln die einmal vertretene Meinung aufrechtzuerhalten.

Und die NASA hat tatsächlich manipuliert! Die erste Veröffentlichung des aufbereiteten MGS-Bildes, die durch die Medien ging, ist ein „processed image“, also ein „bearbeitetes Bild“, was die NASA auch freizügig zugibt. Es wurde nicht nur perspektivisch verzerrt, sondern kontrastreduziert. Das unverzerrte Bild veröffentlichte die NASA dann einige Tage später, als das Interesse der Medien bereits erloschen war.

Warum lieferte die MOC-Kamera des MGS von der Cydonia-Region so schlechte Bilder, obwohl man doch davon ausgehen könnte, dass die Kameratechnik gegenüber den alten VIKING-Kameras bessere Bilder erbringen müsste? Dazu sagt die NASA, dass der Kontrastmangel Dunst oder Nebel über der Region vermuten lasse.

Nach Richard Hoagland enthalten die neuen Bilder nur 42 der 256 möglichen Graustufen. Das sind nur 16,4%. Dagegen enthielten die alten VIKING-Fotos wesentlich mehr Graustufen.


Links: Das von JPL (NASA) veröffentlichte erste, perspektivisch verzerrte Bild. Rechts: Die verbesserte Bildentwicklung dieses Bildes durch Dr. Mark J. Carlotto.

Links: Geometrisch korrigiertes Bild der MGS-Aufnahme. Rechts (zum Vergleich): In die selbe Position gebrachte Extremüberzeichnung des Viking-Bildes 70A13. (Beide Bilder: Carlotto)

Simulierte Stereoansicht des MGS-Bildes, wie es aus Richtung Südwest aussehen würde (Carlotto).


Die erreichte Bildauflösung beträgt nur 25 % der möglichen. Wenn gleichzeitig nur 16,4 % der möglichen Graustufen aufgenommen wurden, dann zeigt das Bild, rein rechnerisch, nur 4,1 % der maximal aufzunehmenden Daten! (2)

Anmerkungen

(1) dpa-Meldung vom 07.04.98

(2) Rainer Lorenz und Georg Wieselsberger: „Altes und Neues vom Mars“, in: MAGAZIN 2000 plus, Nr. 128/129.

 


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