© 1999 Pit Schellenberg

Warum (noch) nicht in den Weltraum?

(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 34/1999)

Der Mensch hat die ersten Versuche, sich von der Erdoberfläche und aus dem Bereich der so genannten Schwerkraft der Erde zu lösen, zunächst erfolgreich geschafft. Bis zum Mond hat es bemannt schon gereicht. Der Aufwand dafür war erheblich. Unbemannt sind auf dem Mars menschengemachte Geräte schon einmal gelandet und haben, neben einigen Laborversuchen, viele vielbeachtete Bilder zur Erde geschickt. Auch von der Venus wissen wir inzwischen ein wenig mehr. Die Erkenntnisse über die anderen Planeten unseres Sonnensystems sind, genauer betrachtet, nur sehr lückenhaft. Den Sprung zum Mond schon als Raumfahrt zu bezeichnen, halte ich für vermessen. Das ist für mich etwa so, als wenn man vor die Wohnungstür auf den Fußabtreter schreitet und verkündet, man habe die Eroberung der Welt begonnen. Dabei bin ich mir der menschlichen Leistung zu den Anfängen durchaus bewusst. Der noch zu erbringenden Leistungen aber auch.

Die Ergebnisse vom Mars sind, was dort die Freundlichkeit bezüglich der Möglichkeit von Leben angeht, bislang deprimierend. Wenigstens, wenn wir Leben auch nur annähernd so verstehen wollen, wie wir es in seiner Vielfalt hier auf der Erde kennen. Walt Disney hat zwar damals schon nachgewiesen, dass „die Wüste lebt”. Aber unter welchen Bedingungen, selbst unter einer schützenden Atmosphäre! Da zieht jede Karawane schnell weiter, um die nächste Oase zu erreichen.

Wer die Marsfotos aufmerksam betrachtet hat, wird sicher nicht auf die Idee kommen, dort möglichst bald ein Grundstück erwerben und ein Eigenheim darauf errichten zu wollen. Die Sahara wäre dazu weit geeigneter, und auch nicht ganz so aufwendig zu erreichen.

Roland Roth schrieb in SYNESIS Nr. 2/1999 in „Warum zum Mars” über Sinn und Zweck der Marserkundungsmissionen. Menschliche Neugier ist eine mächtige Triebfeder. Und die Neigung des Menschen, sich von wichtigen Problemen abzulenken, auch.

Unter solchen Problemen verstehe ich die ziellose Vermehrung der eigenen Art, den Raubbau an den Erdvorräten, darunter die fast ungezügelte chemische und energetische Verschmutzung der wichtigsten Lebensmittel Luft und Wasser. Dazu gehört die nur für momentanen Gewinn orientierte Manipulation der Nahrung, die gezielte Produktion von teurem Müll (nicht nur als Verpackung).

Der Mensch macht also schon auf dieser Erde - anscheinend traditionell - seine „Hausaufgaben” nicht. Diejenigen, die gewohnt waren, sie zu machen, wurden von den anderen erobert, unterdrückt und weitgehend ermordet.

Und nun schlägt Roland Roth vor, dieser Teil der Menschheit möge sich mit seinen ungelösten Problemen zunächst auf andere Planeten und dann ins Universum exportieren. Und zusätzlich soll die Misswirtschaft der Menschen auf der Erde noch durch das Ausplündern anderer Planeten, zunächst des Mars, ausgeglichen werden.

Ohne besondere Schwierigkeiten und ohne technische Tricks (Autos, Flugzeuge, Kunstdüngung und andere komplexere Agrarchemie) kann die Erde 500 Millionen bis eine Milliarde Menschen klaglos verkraften. Bei gezieltem Einsatz erneuerbarer Vorräte sicher auch einige mehr. Danach wird es, wie wir inzwischen mehr oder weniger deutlich merken, eng.

Wenn der derzeit tonangebende Teil der Menschheit so weitermacht, dann wird der Mensch die Erde bald so übernutzt haben, dass er sich und den meisten höher entwickelten Tierarten die Lebensgrundlagen selbst entzogen hat. Der Prozess ist bereits im Gange.

Es spricht einiges dafür, dass Menschen den Mars schon besiedelt hatten. Und das bis zur letzten Konsequenz. So sieht es dort jedenfalls etwa aus.

Interessant ist hierbei für mich auch die Überlegung von Hans-Joachim Zillmer in seinem Buch „Darwins Irrtum”, dass die heutige Menschheit auf dieser Erde noch nicht sehr alt sein könne, da sonst die Vorräte der Erde schon viel weiter hätten ausgebeutet sein müssen. Die letzte Erdumgestaltung in ihre heutige Form könne also - auch aus diesem Grunde - noch nicht sehr lange her sein.

Wie lebensfeindlich - zumindest für höheres irdisches Leben - der Mars zurzeit ist, können wir den von Gernot L. Geise in Band zwei von „Unser marsianisches Erbe“ veröffentlichten Daten der NASA über die Zusammensetzung der Marsatmosphäre entnehmen. Freien Sauerstoff gibt es darin (nur noch?) in Spuren. Auf der Erde haben wir davon noch etwa zwanzig Prozent in der Atmosphäre.

Derzeit dürften auf der Erde reichlich acht Milliarden Menschen leben. Um 1930 waren es vier Milliarden, um 1830 etwa zwei Milliarden. Das ist eine mehr als dramatische Entwicklung. Aber, selbst dann, wenn der Mars schon (wieder?) bewohnbar wäre, so könnten wir beim derzeitigen - und dem für die weitere Zukunft absehbaren - Stand der Technik die Menschen nicht einmal so schnell „exportieren”, wie fortlaufend zusätzliche geboren werden.

Der Bau von Raketen, selbst wenn man sie in Großserien bauen würde, ist außerordentlich material- und energieintensiv. Die benötigten Massen an höchstwertigen Treibstoffen und Sauerstoffträgern würden die Energiereserven der Erde erheblich zusätzlich belasten. Solange uns keine für die irdische Energiebilanz neutrale Antriebstechnik zur Verfügung steht, kann das mit dem massenweisen Menschenexport schon aus diesem Grund allein nichts werden.

Könnte man Transportshuttles für Milliarden Menschen bauen, so müssten diese aus irdischen Produkten mit Vorräten - nicht nur an Nahrungsmitteln, Energieträgern und Ausrüstung - für einen Start und weiteres Überleben unterwegs und anschließend für lange Zeit auf dem Mars ausgestattet werden. Das wäre ein Vielfaches von dem, was den Menschen hier jetzt nur noch knapp zur Verfügung steht. Woher nehmen?

Solange die Weltwirtschaft von den angloamerikanischen Banken bestimmt wird, die ihren immensen Reichtum aus den Gewinnen des Verkaufs von Erdöl (-produkten) und Erdgas beziehen, wird die Entwicklung wirklich leistungsfähiger Energiealternativen weiterhin abgewürgt werden. Aber dürfen wir Menschen auf unserer derzeitig tonangebenden Entwicklungsstufe, in der wir unsere besten technologischen Fähigkeiten immer noch zur Entwicklung und anschließenden Nutzung von Waffen zur gegenseitigen Vernichtung einsetzen, überhaupt über die unerschöpflichen Energien aus dem Kosmos verfügen und lernen, sie für uns nutzbar zu machen?

Sollte es aber wirklich so sein - wie die Auswertungen alter Texte durch Dieter Vogl nahe legt -, dass ein früheres Menschengeschlecht den Mars verwüstet und unbewohnbar gemacht hat, dann wird eine weiterentwickelte Menschheit ihn eines Tages besiedeln wollen. Dann aber nicht, um ihn noch weiter auszubeuten, sondern um ihn wieder aufzubauen. Bis dahin sollten wir die Finger davon lassen und uns um das kümmern, was wir derzeit der Erde und damit allen Lebewesen auf ihr antun. Schließlich gehören wir dazu. Die Erde und alles auf und in ihr sind unsere Mitwelt. Zu unserer Umwelt gehört dann erst auch der Mars.

 


(nach oben) . (zur Übersicht)