Über die astronomische Bedeutung des Rauten-Musters

© 1999 Karlheinz Baumgartl; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 32/1999

 Dieses Muster bedeutet meines Erachtens den sich fortschreitend überkreuzenden Gang von Sonne und Mond und ist ein Bekenntnis zum heidnischen Sonnenkult. Die Bedeutung von Sonne und Mond wird verständlich, wenn man bedenkt, dass Europas Religion früher die Sonnenreligion war, so wie das auch beispielsweise bei den alten Ägyptern oder den Inkas und Mayas in Amerika der Fall war. Die Menschen damals waren eng mit dem Naturgeschehen verbunden. Sie erkannten in der Sonne den Ursprung des Lebens. Die Sonne brachte und hielt alles in Gang. Die Sonne gab ihnen alles, was sie zum Leben brauchten. Die Sonne war auch der Maßstab des Lebens, indem ihr Weg am Himmel die Länge des Tages und die „festen“ Tage der Sonne die Feste bestimmten. Der Mond war ihr Begleiter. Deshalb verehrten unsere Vorfahren diese Gestirne. Sonne und Mond standen im Zentrum der kultischen Rituale. Die alten Kultstätten in England (z.B. Stonehenge und Avebury) und in Deutschland (z.B. der Steintanz von Bützow und die riesige Steinkreisanlage in Odry in Westpreußen) waren Zeitmessanlagen und zugleich Sonne-Mond-Tempel, die später im Laufe der Christianisierung alle zerstört worden sind. Aber das Wissen blieb noch vielfach nachzuweisen. Man kann die alten Zeichen wieder zum Sprechen bringen.


Links: Das Rautenmuster in Bayern. Rechts: das Stadtwappen von Altötting


Wenn man den Gang des Mondes durch den Monat verfolgt, wenn man die Höhe des Mondes (die Deklination) von Tag zu Tag in ein Diagramm zeichnet, die Punkte miteinander verbindet, dann erhält man das Rautenmuster.

Dasselbe Muster erhält man auch von der Sonne, wenn man ihren Weg (ebenfalls die Deklinationswerte) das Jahr durch von Monat zu Monat zeichnet. Sonne und Mond „weben“ demnach ständig das Rautenmuster an den Himmel. Den sesshaften Bauern und Gärtnern war der Blick zum Himmel eine alltägliche Gewohnheit. Am Himmel erkannten sie die Ordnung im Kosmos. Kosmos (griech.) heißt Ordnung. Deshalb hat man diese Ordnung und das Wissen um diese Ordnung vielfach dargestellt.


Das Rautenmuster am Himmel


 (Dieser Beitrag wurde vom Autor bereits in „Pen Tuisko“ Nr. 11/1989 veröffentlicht.)


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