Das Geheimnis der
Präzession
© 1995 Armin
Naudiet, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 9/1995
In dieser
Untersuchung wird ein astronomisches Phänomen behandelt, dessen Konsequenzen
für die Rekonstruktion der Menschheitsgeschichte zumeist nur den Spezialisten
bekannt sind. Denn welcher Leser, der sich für die frühe Geschichte
interessiert, kann sich unter dem wissenschaftlichen Fachgebiet der Astronomischen
Chronologie etwas vorstellen? Unter dem Stichwort Astronomie findet
er im dtv-Lexikon nichts darüber, und beim Stichwort Chronologie, d. h.,
der Lehre von der Zeit findet sich leider auch kein Hinweis darauf, in
welchem Zusammenhang Astronomie und Chronologie der Frühgeschichte stehen.
Eigentlich
ist das bedauerlich, denn so bleibt dem interessierten Leser im Allgemeinen
unbekannt, dass bis weit in die Frühgeschichte hinein zahlreiche historische
Daten mithilfe der astronomischen Chronologie fixiert worden sind. Diese
erstaunliche Möglichkeit bietet das genannte Phänomen der Präzession. Auf ihr
hat die astronomische Chronologie als Teil der Altertumsforschung eine
völlig „sicher’’ erscheinende Rückrechnungsmethode aufgebaut.
Was ist
also die Präzession?
„Präzession
[lat. das Vorangehen] ist:
1. die
einen Kegelmantel beschreibende Drehbewegung der Figurenachse eines schweren
symmetrischen Kreisels.
2. die
Verlagerung der Rotationsachse der Erde vor allem auf Grund des von Sonne und
Mond auf die Erde ausgeübten Drehmoments (Lunisolar-Präzession). Die Erdachse
bewegt sich auf einem Kegelmantel um den Pol der Ekliptik in rechtsläufiger
Drehung. Ein voller Umlauf dauert etwa 25700 Jahre (Platonjahr). Durch
Überlagerung der Gravitationskräfte von Sonne und Mond erfährt die Präzession
außerdem eine periodische Schwankung von etwa 19 Jahren, die Nutation. Die
Einwirkung der Planeten auf die Erde bewirkt außerdem die Planetenpräzession,
die zur Folge hat, dass sich die Schiefe der Ekliptik ändert und dadurch der
Frühlingspunkt jährlich um 0,12’’ in Richtung wachsender Rektazension
verschoben wird. Lunisolar- und Planetenpräzession ergeben zusammen die
allgemeine Präzession, die bewirkt, dass der Frühlingspunkt auf der Ekliptik
jährlich um 50,26’’ zurückläuft. - Durch die Präzession verschiebt sich auch
die Lage der Himmelspole. Dadurch kann jeder Stern Polarstern werden, der um
den Betrag der Schiefe der Ekliptik von deren Pol entfernt ist. -
Die Präzession wurde um 150 v. C. von Hipparch entdeckt.’’ [dtv-Lexikon,
Bd. 14, S. 260].
In diesem
Text ist in komprimierter Form der heutige Wissensstand über das Phänomen der
Präzession dargelegt. Ohne Zweifel ist der Vorgang der Präzession äußerst
kompliziert, und es lässt sich für den astronomisch nicht bewanderten Leser nur
wenig mit dieser Erklärung anfangen. Es gibt aber noch eine Aussage, die den
Einstieg in die Thematik erleichtert:
„Bis auf
die Präzession ist die Richtung der Erdachse im Raum unveränderlich, verlagert
sich jedoch im Erdkörper periodisch um messbare Beträge.’’ [dtv-Lexikon
Bd. 5, S. 105].
Damit wird
klar, dass die Präzession durch eine Veränderung des Neigungswinkels der
Rotationsachse unseres Planeten hervorgerufen wird. Diese Veränderung lässt
sich allerdings nicht direkt wahrnehmen, sondern zeigt sich eben daran, dass
der „Frühlingspunkt’’ auf der Ekliptik jährlich um 50,26’’, d. h.
Zeitsekunden, zurückläuft.
Was mich
gleich zu Anfang meiner Nachforschungen stutzig gemacht hat, ist die Aussage,
der „Frühlingspunkt’’ laufe „zurück’’. Warum nannte dann der antike griechische
Astronom Hipparch das Phänomen „Vorlauf’’? Er hätte doch, - ebenso wie
die heutigen Astronomen -, sehr leicht merken müssen, dass der „Frühlingspunkt’’
nicht vorlief!
Aber er
sprach ausdrücklich von Vorlauf, was sich ja bis heute als Fachbegriff erhalten
hat. Folgt man der Erklärung im Text, so müsste es eigentlich Rezession
heißen.
Heute
verändert sich der Winkelwert der Erdachsenneigung gegen den Pol der Ekliptik
nach Aussagen der Astronomen um 0,47’’ (d. h. Winkelsekunden). Um diesen
winzigen Wert wird der Winkel zwischen der verlängert gedachten Erdachse und
dem Ekliptikpol kleiner.
Die
Erdachse richtet sich also gegenüber der Erdbahnebene um die Sonne sehr langsam
auf.
Diese
Tatsache lässt erkennen, dass sie in einer vor uns liegenden Zeit mehr geneigt
gewesen sein muss als heute. Für dieses Problem bietet die Wissenschaft eine
komplizierte Erklärung, die im Punkt 1 zur Erklärung der Präzession kurz
angesprochen wurde: „Die Präzession ist die einen Kegelmantel beschreibende
Figurenachse eines schweren symmetrischen Kreisels.’’
Für die
hier behandelte Thematik sind folgende Hinweise wichtig: „Astronomische
Bedeutung: Die Erde ist ein großer Kreisel. Da sie aber keine Kugel, sondern
ein Rotationsellipsoid ist, bewirkt die Anziehungskraft der Sonne auf
die verschieden weit entfernten Teile der Erde ein ihre Achse aufrichtendes
Drehmoment. Diesem Moment weicht die Erde, wenn man auf den Nordpol sieht, im
Uhrzeigersinn aus. Eine ganze Präzessionsdrehung dauert 25800 Jahre. Zu dieser
Sonnenpräzession kommt noch eine durch die Mondbewegung erzwungene mit etwa 19
Jahren hinzu, die hier - physikalisch unrichtig - nicht Präzession, sondern
Nutation heißt.’’ [dtv-Lexikon Bd.
10, S. 141].
Diese
Darstellung erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. Aber irgendetwas
stimmt nicht.
Normalerweise,
- und so wird es in der Literatur auch dargestellt -, läuft ein kräftefreier
Kreisel um eine raumfeste Symmetrie-/Figurenachse. Erst wenn man diesem Kreisel
„durch einen Schlag auf das Ende der Achse eine zusätzliche Bewegung
erteilt, beschreiben Figurenachse und momentane Drehachse je einen Kegelmantel
um eine neue raumfeste Achse’’ [dtv-Lexikon Bd. 10, S. 140].
Bei
unserer Erde ist es etwas rätselhaft. Anstelle des „Schlages’’ tritt hier die
„Anziehungskraft’’ der Sonne. Und die soll bewirken, dass sich die Erdachse
langsam aufrichtet. Wenn - wie die orthodoxe Astronomie als Grundvoraussetzung
annimmt - unser Planet schon seit Millionen oder sogar Milliarden von Erdjahren
um die Sonne kreist, so müsste sich überhaupt kein Neigungswinkel der Erdachse
mehr zeigen! Eventuell - der Logik der „Anziehung’’ folgend - müsste die
Neigung der Erdachse leicht zum Mittelpunkt des Sonnensystems geneigt sein und
nicht von ihm wegweisen.
Die
„Rechtsläufigkeit’’ der Präzessionsbewegung, also genau gegen die
„linksläufige’’ Bewegung der Erde um die Sonne, ist mit dem „Schlagmodell’’
physikalisch gut zu erklären. Aber beim „Anziehungsmodell’’ dürften die
wirklich winzigen Abweichungen des „Rotationsellipsoids’’ eigentlich nicht zu
einer Bewegung gegen Erdumlaufbahnrichtung und Erdrotationsrichtung führen.
Denn jene Kraft, die nicht nur unseren Planeten, sowohl zu einer linksläufigen
Rotation um sich selbst, als auch zu einer linksläufigen Kreisbahn um die Sonne
zwingt, ist gewaltig.
Wie schon
in der Erklärung bestätigt, „ist unsere Erde ein Kreisel’’, der vom
Drehmoment der Sonne nicht nur zum linksläufigen Rotieren, sondern auch zu
einem linksläufigen Umlauf um das Zentralgestirn gezwungen wird.
Die
vorgebrachte Erklärung für die rechtsläufige Gegenbewegung der Erdachse
erscheint mir bei aller Wissenschaftlichkeit unbefriedigend. Schließlich ist
unsere Erde - verglichen mit der Sonne - nur winzig. Aber noch winziger sind
bei diesen Dimensionen die Unterschiede in den Breiten unseres
„Rotationsellipsoids’’. Was heißt hier schon „die verschieden weit
entfernten Teile der Erde’’?
Wieso
bewirkt die Anziehungskraft ein aufrichtendes Drehmoment? Wenn es
das gäbe, so müsste sich, wie schon erwähnt, die Erdachse längst aufgerichtet
haben und senkrecht stehen.
Das tut
sie aber nicht. Sie ist um rund 23,5°/66,5° geneigt und zeigt eine minimale
Tendenz, sich aufzurichten. Außerdem beschreibt die Erdachse wirklich einen
rechtsläufigen Kreis im Raum, wenn „man von oben auf den Nordpol blickt’’
(so ein Hinweis im Text). Es findet also tatsächlich eine Gegenbewegung statt,
die gegen die allgemeine „Linksläufigkeit’’ gerichtet ist. Und aus dieser
Gegenläufigkeit ergibt sich der genannte Präzessionskreis von rund
25.800 Erdjahren.
Er ist
errechnet aus dem Kreisumfang von 360° = 1.296000 Winkelsekunden,
geteilt durch die genannte Präzessionsrate von jährlich 50,26 Zeitsekunden (die
der Frühlingspunkt zurückläuft). Diese winzige Verschiebung des
„Frühlingspunktes’’ gegen den Hintergrund der Fixsterne um ca. 0,8 Zeitminuten
pro Jahr resultiert, wie wir gehört haben, aus der „langsamen Aufrichtung’’ der
Erdachse um ca. 0,47'’ (Winkelsekunden). Wäre der Grad der „Aufrichtung’’
größer, so würde auch die Präzessionsrate größer als 50,26 Zeitsekunden sein.
Die
Astronomen nehmen zwar an, das sei seit undenklichen Zeiten nicht der Fall
gewesen, aber wie bereits gesagt, dürfte es dann eigentlich gar kein „langsames
Aufrichten’’ der Erdachse mehr geben, und somit auch keinen „Rücklauf des
Frühlingspunktes’’. Es gibt ihn aber, und so stellt sich die Frage, ob die
Erdachse in vergangener Zeit nicht wirklich einen „Schlag’’ erhalten hat (wie
er im Erklärungsmodell angeführt wird).
Das
„Schlagmodell’’, also genauer gesagt, eine kosmische Einwirkung (wie im Modell
gesagt: von außen wirkende Kraft auf das eine Ende der Achse), würde dann
zwangsläufig die Rotationsachse unseres Planeten zum „Taumeln’’ bringen. Die
alte „Figurenachse’’ wäre sofort verschoben. Und genau dann würde die Erde
versuchen, durch eine Gegenbewegung wieder zu einer stabilen Rotationsposition
zurückzufinden.
Erfolgte
dieser „kosmische Schlag’’ in Richtung der bereits vorhandenen
Drehmomentneigung, so würde sich der Neigungswinkel vergrößern (gegen den Pol
der Ekliptik) bzw. verringern (gegen die Erdbahnebene). Dementsprechend
erfolgte dann ein Korrekturprozess, in dem sich die Erdachse wieder
„aufzurichten’’ versuchte.
Die
moderne Astronomie weiß selbstverständlich, dass eine solche Erklärung möglich
wäre, aber das würde kosmische Vorgänge voraussetzen, die in unserer Zeit nicht
beobachtet wurden. Akzeptierte man diese Möglichkeit, so müsste man das sog. Stabilitätsaxiom,
also die Annahme, unser Sonnensystem sei seit Jahrmilliarden stabil, aufgeben!
Nur wenige Menschen haben eine Vorstellung davon, welche Konsequenzen sich
daraus für die Wissenschaft ergeben würden.
In dem
bereits zitierten Satz: „Bis auf die Präzession ist die Richtung der
Erdachse im Raum unveränderlich ...’’ drückt sich dieses Axiom der
Stabilität deutlich aus. Es sei aber nochmals betont, dass es sich um eine
Annahme handelt. Diese Annahme, schon seit vielen Jahrhunderten tradiert, wurde
zum wissenschaftlichen Dogma. So ist es verständlich, wenn von der Astronomie
Begründungen für das Präzessionsphänomen gesucht und ja auch gefunden wurden,
die das Stabilitätsaxiom nicht verletzten. Wie inzwischen erläutert wurde,
erfolgte die Begründung mithilfe der Gravitationstheorie von Isaac Newton.
Nun steht
völlig außer Zweifel, dass es in unserem Sonnensystem Kräfte gibt, die es
zusammenhalten. Allerdings ist die Natur dieser Kräfte heute nicht mehr so
eindeutig zu postulieren wie zur Zeit Newtons. Dennoch wird - im Hinblick auf
noch viele ungelöste Probleme - bis heute an der Gravitation im Sinne Newtons
festgehalten. Und damit ist auch das Stabilitätsaxiom wieder zu stützen.
Da diese
Untersuchung aus Gründen, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden,
davon ausgeht, dass unsere Erde wiederholt in der Vergangenheit von globalen
Katastrophen heimgesucht wurde, die kosmischen Ursachen geschuldet sind, wird
von mir das „Schlagmodell’’ zugrunde gelegt. Was heißt das?
Um das
Präzessionsphänomen und die dazu in diesem Aufsatz dargestellten Überlegungen
verständlich werden zu lassen, muss zuerst gesagt werden, aus welchem Grund
unser Planet überhaupt dazu kam, die ungewöhnliche rechtsläufige Gegenbewegung
seiner Rotationsachse auszuführen. Das geschah auf genau jene Weise, die die
Astronomen als „Erklärungsmodell’’ benutzt haben!
Während
der so genannten „Altsteinzeit’’ stand die Rotationsachse der Erde nahezu
senkrecht zur Erdbahnebene. Es gab nur eine leichte Neigung von ca. 5o,
die sich aus dem Drehmoment der Sonne ergab! Damals gab es keine Präzession!
Vor etwa
5000 Jahren erhielt unsere Erde einen wirklichen „Schlag’’ von außen, d. h.
ein größerer Himmelskörper, vermutlich ein Asteroid, schlug auf der
Nordhalbkugel ein! Durch diesen Schlag, der ja einen „rotierenden Kreisel’’
traf, wurde die Erdachse um mehr als 30o gegen die Erdbahnebene
„herabgedrückt’’. Sie drehte sich nicht um den Erdmittelpunkt, denn dann wäre
es immer noch nicht zu einer Gegenbewegung gekommen. Nein, sie kippte um diese
ca. 35o einfach zur Seite. Das „Widerlager’’, das ein Kreisel
benötigt, um überhaupt eine Gegenbewegung seiner Rotationsachse ausführen zu
können, war der Südpol. Dieser riesige Kontinent blieb „im Raum’’ praktisch
stabil.
Der
damalige Asteroideneinschlag ist als Sintflut tief in das Gedächtnis der
Stämme der Erde eingegraben worden.
Mit diesem
unvorstellbaren Ereignis stellte sich nicht nur die Erdachse „schief’’, sondern
damit begann auch das Phänomen der Präzession.
Um
Einwände gleich vorweg auszuschließen muss gesagt werden, dass die Nutation
nichts mit der Präzession zu tun hat. Sie ist wirklich ein gravitativer Prozess,
der durch die Anziehungskräfte des Mondes ausgelöst wird.
Das
Phänomen Präzession oder Rezession entspricht physikalisch genau
dem Modell. Denn natürlich hat sich die rotierende Erde bemüht, nach diesem
Schlag ihre Rotationsachse wieder in eine stabile Position zu bringen. Daher
die Gegenbewegung (!) mit der die Erde versuchte, sich wieder „aufzurichten’’.
Sie begann
zu präzessieren, d. h., die
Erdachse beschrieb eine riesige Spiralbewegung im Raum. Zuerst war der Kreis
sehr groß, wurde aber mit jedem Winkelwert der Aufrichtung immer kleiner. Damit
war aber auch die Präzessionsrate anfänglich viel größer und nahm dann langsam
ab.
Da noch
weitere katastrophische Veränderungen eintraten, wollen wir nicht mit dieser Ersten,
sondern mit der Letzten beginnen.
Wird also
das bisher noch gültige Stabilitätsaxiom durch eine „Theorie der kosmischen
Katastrophen’’ ersetzt, so lässt sich das Phänomen der Präzession zwanglos als
Korrekturprozess erklären, der wiederholt aufgetreten ist.
Darum
könnte sich als lohnend herausstellen, zunächst der Frage nachzugehen, warum
Hipparch um ca. 150 v. C. von Vorlauf und nicht von Rücklauf
sprach. Hierzu ist es nötig, zuerst einmal kurz über den schon wiederholt
erwähnten „Frühlingspunkt’’ zu sprechen.
Der
„Frühlingspunkt’’ ist jener gedachte Punkt im Raum, an dem sich zwei, ebenfalls
gedachte, Großkreise im Raum schneiden. Der eine Großkreis ist der so genannte Himmelsäquator.
Der Zweite ist die so genannte Ekliptik. Der Himmelsäquator bezeichnet
den Rand einer gedachten Ebene, die den Erdäquator bis an den
Sternenhintergrund ausdehnt. Diese „Ebene’’ ist, wegen des geneigten
Erdäquators um ca. 23,5o, ebenfalls um diesen Winkel geneigt
(Schiefe der Ekliptik). Der Ekliptik genannte Kreis definiert die
gedachte Ebene der Erdbahn um die Sonne. Diese beiden gedachten Kreise
schneiden sich an zwei Punkten, dem Frühlingspunkt und dem Herbstpunkt.
Für uns ist die Ekliptik auch jener Kreis am Himmel, auf dem sich die Sonne auf
ihrer scheinbaren Jahresbahn zwischen den so genannten Fixsternen (dem
Sternenhintergrund) bewegt.
Die
Beobachtung des Punktes also, an dem die Sonne nach einem Jahreskreislauf
wieder erscheint, hat schon eine sehr lange Tradition in der Geschichte. Dies
umso mehr, als an diesem besonderen Tag im Frühling (daher Frühlingspunkt)
überall Tag und Nacht gleich lang sind. Das ließ sich auch schon in sehr früher
Zeit mit Hilfe von „Schattenstäben’’ messen. Darum nennt man den Tag, der vom
Frühlingspunkt bestimmt wird, auch die Tagundnachtgleiche. So war dieser, sehr
wichtige Sonnenaufgang, beobachtet gegen den jeweiligen Sternenhintergrund, die
„Richtmarke’’ für einen Sonnenlauf um die Erde (wie man früher dachte). Dabei
bestimmte die Spanne von einem Frühlingspunkt-Sonnenaufgang bis zum nächsten
die Länge eines Jahres. Das ist heute noch genauso.
Nun soll
Hipparch, der ein berühmter Astronom war, bemerkt haben, dass sich dieser
Frühlingspunkt-Sonnenaufgang nicht stets genau vor dem gleichen
Sternenhintergrund (also einem bestimmten Sternbild) vollzog, sondern von Jahr
zu Jahr etwas wanderte. Aber er wanderte nicht, wie heute, zurück, sondern
offenbar vor. Es ist völlig unwahrscheinlich, dass Hipparch diese Bewegung missdeutet
haben soll, als er von Vorlauf sprach.
Da wir
inzwischen erfahren haben, dass diese „Wanderung’’, also Verschiebung,
eindeutig mit der Veränderung des Neigungswinkels der Erdachse in Zusammenhang
steht (was, wie von mir als These vorgeschlagen, ein Korrekturprozess sein muss),
ergibt sich aus der Aussage von Hipparch eine überraschende Konsequenz: Die
Erdachse muss sich zur Zeit von Hipparch erstaunlicherweise nicht aufgerichtet
haben (denn dann hätte er ja einen Rücklauf erkennen müssen),
sondern noch abgesenkt!
Das hieße
im Klartext: Irgendwann, in nicht allzuferner Zeit vor Hipparch, muss es eine
kosmische Störung gegeben haben, die die Rotationsachse unserer Erde in
Bewegung gebracht hat (wie schon früher). Diese Störung von außen wirkte sich
zur Zeit von Hipparch noch so aus, dass sich die Erdachse (vielleicht nur
leicht, wie heute), im Winkelwert vom Pol der Ekliptik entfernte. Dann muss
irgendwann während der Zeit des römischen Kaiserreiches dieser Prozess zum
Stillstand gekommen sein; und nun setzte eine rückläufige Bewegung ein, die bis
heute noch anhält (Rücklauf)!
Diese Hypothese
wird erstaunlicherweise von der überlieferten Kalenderreform Cäsars gestützt.
Cäsar musste etwa 100 Jahre nach Hipparch das Reform-Jahr um 80 Tage länger
machen! Es war also zu kurz, d. h., der Abstand zwischen den Frühlingspunkt-Sonnenaufgängen war gewachsen!
Das musste
auch so sein, wenn der Präzessionskreis sich vergrößerte. Überraschenderweise
wurde das Jahr bei der so genannten Gregorianischen Kalenderreform 1582
(unserer Zeit) per Dekret des Papstes um 10 Tage verkürzt. Genau das ist aber
auch zu erwarten, wenn die hier genannte These stimmt. Irgendwo in der Zeit
zwischen Cäsar und Papst Gregor muss sich der Korrekturprozess aus den zuvor
angesprochenen Gründen umgekehrt haben!
Als die
moderne Astronomie in eben jener Zeit begann, die von der gregorianischen
Reform gekennzeichnet ist, konnte sie effektiv nun einen Rücklauf des
Frühlingspunktes konstatieren. Dabei hat allerdings wohl niemand geglaubt, es
könnte sich um einen Bewegungsablauf handeln, der erst vor einigen hundert
Jahren begonnen hatte. Denn die astronomischen Angaben aus dem „dunklen’’
frühen Mittelalter waren mehr als dürftig.
Obwohl wir
keine verlässlichen Dokumente haben, die uns die genaue Zeit des
Frühlingspunkt-Rücklaufs im 16. und 17. Jahrhundert nennen, darf doch
angenommen werden, dass sich die jährliche Zeitrate nur minimal geändert hat:
erst bis zum Stillstand vor, dann ebenso langsam zurück.
Aus dieser
hypothetischen Rekonstruktion lässt sich schließen, dass jene kosmische
Störung, die diesen offensichtlich letzten Prozess auslöste, nicht sehr groß
war. Er führte zu keiner globalen Naturkatastrophe. Es kann sich darum nicht um
den Einschlag eines größeren Himmelskörpers gehandelt haben. Ich bin der
Auffassung, dass dieser relativ kleine kosmische Störfall durch den nahen
Vorbeiflug eines größeren Himmelskörpers verursacht wurde. Dieser setzte die
letzte Korrektur-Präzession in Gang. Anfänglich mit einem „Herabdrücken’’ der
Erdachse, das aber bald (in astronomischen Zeitmaßstäben) wieder aufgefangen
wurde (die Schwankung des Winkelwertes kann nur minimal gewesen sein.
Schätzungsweise kann man 2,5o annehmen, vielleicht auch etwas mehr).
Im frühen Mittelalter begann dann der Aufrichtungsprozess.
Folgt man
alten Dokumenten, die über weltweite Kalenderreformen berichten, so muss sich
die letzte kosmische Störung um ca. 700/600 vor unserer Zeit ereignet haben. Im
Einzelnen wird darüber noch an anderer Stelle zu sprechen sein.
Anzumerken
ist hier noch, dass vermutlich mit der Umkehr des Prozesses jene so genannte kleine
Eiszeit begonnen hat, die etwa um 1300 nach Christus einsetzte und erst mit
dem Beginn des industriellen Zeitalters durch Einwirkung des Menschen (Kohle-
und Erdölverbrauch, Motorisierung usw.) gestoppt wurde. Denn zwangsläufig war
mit der Veränderung des Neigungswinkels der Erdachse auch eine klimatische
Veränderung verbunden, weil ja die Solarperiodik kleiner wurde.
Mit dem
Stichwort Klimaveränderung wird die Untersuchung nun auf die zweite
(rückblickend) kosmische Störung ausgedehnt, die auch mit der Präzession zu tun
hatte.
Am Übergang
von der „frühen Bronzezeit’’ zur „mittleren Bronzezeit’’ - nach allgemeiner
Übereinstimmung der Altertumsforscher etwa um ca. 1500 v. C. als Richtwert -
wird das Klima in der damaligen „alten Welt’’ erheblich kühler. Man spricht von
der warmen Bronzezeit und der kühleren Bronzezeit. Diese Zäsur
ist gut dokumentiert. Warum wurde das Klima seinerzeit wesentlich kühler? Es
gibt wissenschaftliche Begründungen, die eine gewisse periodische Veränderung
behaupten.
Ziehen wir
dagegen in Betracht, was zuvor von der letzten kosmischen Störung und deren
Konsequenzen gesagt wurde, so müsste es zu etwa jener Zeit (um ca. 1500 v. u. Z.
mit einer gewissen Schwankung) eine andere kosmische Störung gegeben haben, die
sich ebenfalls auf die Neigung der Erdachse ausgewirkt hat!
Alte
Dokumente und Völkersagen sprechen ebenso von einer solchen Störung, die auf
unserem Planeten zu schweren Naturkatastrophen führte. Nehmen wir als
bekanntesten Sagenstoff den biblischen Bericht vom „Auszug der Kinder Israel
aus Ägypten’’. Er muss sich auf jeden Fall unter wahrhaft katastrophischen
Bedingungen abgespielt haben. Daher möchte ich die zweite kosmische Katastrophe
als Exoduskatastrophe bezeichnen. Mit großer Wahrscheinlichkeit war auch
in diesem Fall der Vorbeiflug eines großen Himmelskörpers die Ursache der
Katastrophen. Auch bei dieser Nahbegegnung von zwei Himmelskörpern (Erde u.
„Irrläufer’’) müssen die aufgetretenen Kräfte zu einer Veränderung des
Neigungswinkels der Erdachse geführt haben. Allerdings weit nachhaltiger
als bei der Letzten.
Um die
komplizierten Zusammenhänge zu verdeutlichen, wollen wir hier zunächst - von
der Gegenwart in die Vergangenheit blickend - den Kenntnisstand festhalten:
Der
gegenwärtige Grad der Winkelneigung unserer Erdachse ist bekannt und wurde
eingangs genannt. Ebenso wurde die gegenwärtige Präzessionsrate
angegeben.
Bei der
letzten kosmischen Störung, die um ca. 700/600 v. C. eintrat, veränderte
sich das Klima merklich. Es wurde kühler. Das ist auch „normal’’ gewesen, denn
die Erdachse wurde, wie die Beobachtung von Hipparch zeigte, zunächst einmal
nicht aufgerichtet (aus ihrem vorherigen Stand) sondern leicht abgesenkt. Diese
Absenkung kann aber nur minimal gewesen sein. Möglicherweise war der ganze
Vorgang nur eine Schwankung, die mit der letzten kosmischen Störung in
Zusammenhang stand. Denn ganz eindeutig ist, dass die Erdachse bei der letzten
kosmischen Störung um ca. 700/600 v. C. einen steileren Winkel erhielt, als
zuvor. Im Prinzip erhielt unsere Erde zu jener Zeit ungefähr jenen
Neigungswinkel ihrer Achse, den sie auch heute noch hat.
Vor der
letzten kosmischen Störung müssen für die Beobachtung des Sternenhimmels
folgende Winkelwerte vorgelegen haben:
Neigungswinkel
zwischen dem Pol der Ekliptik und der Erdachse 30o. Winkelwert
zwischen Erdachse und Erdbahnebene 60o. Dieser Zustand änderte sich
bis zur Gegenwart um 6,5o.
Die Zeit
vor der letzten Katastrophe war die sog. mittlere und späte Bronzezeit. Und
diese Menschheitsepoche ist durch etwas sehr Merkwürdiges gekennzeichnet: In
allen alten Dokumenten wird bestätigt, dass das Jahr in dieser Epoche nur 360
Tage hatte! Die Länge des bronzezeitlichen Jahres änderte sich erst nach
der letzten kosmischen Störung. Von da an kamen 5 Tage hinzu! An einer anderen
Stelle habe ich ausführlich über diese Veränderung gesprochen.
Für unser
Thema Präzession bleibt festzuhalten, dass sich der Neigungswinkel in
den letzten ca. 2500 Jahren um insgesamt 6,5o aufrichtend verändert
hat. Der größte Teil der Veränderung geschah sicher bei der Katastrophe sofort,
d. h. sehr schnell (ca. 5o), die restlichen 1,5o
erst durch präzessieren.
Dabei kann
aber die jährliche Präzessionsrate keinesfalls so gering wie heute (0,47
Winkelsekunden) gewesen sein. Denn dann wäre die Winkelwertänderung nur knapp
18 Winkelminuten groß. Sie ist aber ca. 1,5o (6,5o - 5o)
= 90 Winkelminuten effektiv. Damit dürfte klar sein, dass die antiken
Astronomen (nach der letzten kosmischen Störung) entschieden größere
Veränderungen beim Frühlingspunkt wahrgenommen haben müssen, als heutige
Astronomen.
Das
erklärt nun auch, warum sie sie überhaupt feststellen konnten! Denn 50,26
Zeitsekunden wie heute pro Jahr (!) wären ihnen ohne moderne Uhr, die sie ja
noch nicht besaßen, niemals aufgefallen!
Lassen sie
uns nun weiter in die Vergangenheit zurückgehen. Es wurde zuvor gesagt, dass
etwa um 1500 v. C. [meine Schätzung liegt bei ca. 1350/1300 v. C.] ebenfalls
eine kosmisch bedingte Globalkatastrophe eintrat. Bei dieser Katastrophe muss
sich die Erdachse ebenfalls bewegt haben. Es lässt sich allerdings nur sehr
schwer rekonstruieren, in welcher Weise. Nach allem Anschein - da es sich dabei
um eine Nahbegegnung mit einem großen kosmischen Irrläufer handelte, gab es
stärkere, aber kurzperiodische Schwankungen. Auch dabei hat die Erde präzessiert.
Wir kennen aber keine alten Dokumente mit genauen Angaben. Eines wissen wir
allerdings genauer: Schon um ca. 1000 v. C. muss das Jahr mit 360 Tagen stabil
gewesen sein. Das schließt jedoch kleine Präzessionsraten wie heute nicht aus.
Damit
müssen wir nun auf die erste, die große Sintflutkatastrophe
zurückkommen. Ich hatte eingangs gesagt, dass bei dem Asteroideneinschlag, (der
Teil von größeren kosmischen Aktivitäten war) der Neigungswinkel der Erdachse
um über 30o verändert wurde. Meine Vermutung, von ca. 5o
auf ca. 35o, stützt sich darauf, dass wir ja im 360-Tage-Jahr mit
einer längeren Konstanz der Winkelneigung bei 30o/60o zu
rechnen haben.
Es stellt
sich also die Frage: In welchem ungefähren Zeitraum hat unsere Erde nach der
Sintflutkatastrophe zu einer neuen, stabilen Rotationsposition bei ca. 30o/60o
zurückgefunden?
Diese
Frage ist aus Dokumenten nicht zu erhellen. In der Jungsteinzeit gab es keine
uns bekannten Aufzeichnungen astronomischer Art.
Ganz
sicher gab es nach dem Einschlag und der damit verbundenen erheblichen
Lageveränderung einen gewaltigen Korrekturprozess = Rezession! (Die Präzession
war in sehr kurzer Zeit gelaufen!) Die Wiederaufrichtung der Erdachse muss
damals sehr viel schneller erfolgt sein als bei den beiden späteren
Nahbegegnungen. Warum?
Eine Einschlagskatastrophe
hat eine andere Wirkung als eine Nahbegegnung. Ein Schlag - wie der
Begriff schon sagt - ist ein plötzlicher, abrupter Vorgang. Eine Nahbegegnung
von zwei großen Himmelskörpern ist dagegen ein etwas längerfristiger
gravitativer Prozess.
Im Falle
der Sintflutkatastrophe kamen beide Kräfte zur Wirkung! Darum sagte ich zuvor,
der Einschlag sei ein Teil von größeren kosmischen Aktivitäten. Meine These
lautet, dass der Asteroid ein kleiner Begleiter eines sehr viel größeren
Himmelskörpers war. Beide kamen der Erde bedenklich nahe. Den kleinen Begleiter
fing sich unsere Erde ein, und er stürzte in mehreren größeren Brocken auf
unseren Planeten. Der größere Himmelskörper jedoch raste weiter.
Diese
Rekonstruktion ergibt sich aus der enormen Veränderung des Neigungswinkels von
über 30o! Wenn diese Lageveränderung der Erdachse nur durch einen
Einschlag bewirkt worden wäre, hätte uns niemand mehr von der Sintflut
berichten können! Der Einschlag allein hat den Neigungswinkel der
Rotationsachse nicht verändert. Es kam beides zusammen.
Die
Veränderung der Neigung von ca. 5o auf ca. 350 entsprach 700%!
Dagegen macht die gesamte Wiederaufrichtung der Erdachse von ca. 350,
nach der Sintflut, bis auf 23,50, in der Gegenwart, (einschließlich
der zwei katastrophischen Nahbegegnungen) nur 33% aus.
Diese
überschlägige prozentuale Rechnung macht deutlich, dass die ausgleichende
Gegenbewegung nach der Sintflut am intensivsten gewesen sein muss. Denn die
Dimension der Veränderung bestimmt auch die Größenordnung der Korrekturrate!
Die Präzession/Rezession lief seinerzeit in der erwähnten Spiralbewegung mit
sehr viel größeren Zeitraten ab als später. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat
unsere Erde bereits nach ca. 1000 Jahren, also um ca. 2500-2000 v. C., eine
neue feste Rotationsposition bei einem Neigungswinkel von etwa 300/600
gefunden.
Die erste
Korrektur-Aufrichtung um ca. 50 war nach ca. 1000 Jahren beendet.
Allenfalls gab es noch geringe Restbewegungen wie heute. Also ca. 15% der
insgesamt 33% (siehe oben) waren schon korrigiert. Ganz sicher hätte unser
Planet nun weiter mit einer Erdachsenneigung von 300/600
seinen Kreislauf um die Sonne fortgesetzt, ohne dass sich etwas geändert hätte.
Immerhin tat er das ja auch fast ein Jahrtausend. Doch dann, bei der
Exoduskatastrophe um ca. 1300/1200 v. C. geriet die Erde wieder in Bedrängnis.
Glücklicherweise jedoch nicht so wie bei der Sintflutkatastrophe. Denn es gab
keinen Einschlag eines Himmelskörpers, sondern einen nahen Vorbeiflug.
Natürlich
wurden durch die Anziehungskräfte schwere Naturkatastrophen ausgelöst. Doch
darüber soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden. Hier geht es nur darum,
was mit der Erdachse geschah. Sie geriet bei diesem großen gravitativen Vorgang
wieder in Bewegung. Aber diese Bewegung verlief sehr sanft. Die irdische Rotationsachse
gab dem Druck des herannahenden großen Himmelskörpers nach (verlor also ihre
seitherige Position), richtete sich aber, nachdem der Druck nachließ, wieder zu
ihrer vorherigen Position langsam auf. Es war ein relativ schwacher und kurzer
Korrekturprozess. Für die damalige Sternbeobachtung und für die Zeitmessung war
er allerdings ein beachtliches Phänomen.
Da die
Erdachse nach dieser kosmischen Begegnung nach kurzer Zeit wieder ihre
vorherige Stellung im Raum zurückerlangte, änderte sich bei dieser 2.
Präzession-Rezession an den astronomischen Verhältnissen nichts. Die
Winkelwerte waren danach wieder etwa 300/600.
Die für
uns heute entscheidende Änderung brachte erst die dritte und letzte kosmische
Störung. Auch das war wieder eine Nahbegegnung. Aber diesmal wirkte die
gravitative Kraft im Sinne des kosmischen Prinzips unseres Sonnensystems, d. h.,
sie begünstigte die Aufrichtungstendenz
der Erde!
Die
Rotationsachse, die wiederum ins Taumeln geriet, wurde leicht nach oben
gedrückt. Das heißt im astronomischen Sprachgebrauch, der Winkelwert zwischen
Erdbahnebene und dem nördlichen Pol wurde größer. Statt zuvor 600
wurden es mindestens 650. Vielleicht sogar mehr als heute (66,50).
Aber
dieser Zustand war noch instabil, denn wie wir eingangs bei der Diskussion um
Hipparchs Entdeckung der Präzession festgestellt haben, gab es noch eine
Schwankung. Zur Zeit von Hipparch gab es statt einer aufsteigenden noch eine
leicht absinkende Tendenz.
Das alles
spielte sich aber nur noch im Winkelwertbereich von knapp einem Grad (!) ab. Ab
dem Mittelalter beträgt jedenfalls die Winkelneigung der Erdachse ca. 23,50/66,50
mit einer ganz winzigen Aufwärtstendenz.
Die soeben
angesprochenen 2. + 3. Korrekturbewegungen vollzogen sich also über insgesamt
6,50. Das wären, bezogen auf den Ausgangswert 300/600,
ca. 22%.
Fasst man
alle Korrekturvorgänge seit der Sintflutkatastrophe bis heute zusammen, so hat
sich der Neigungswinkel in den zurückliegenden rund 5.000 Jahren um ca. 11,50
mit aufrichtender Tendenz verändert. Das waren, bezogen auf den Pol der
Ekliptik (ca. 35o - 23,5o = 11,5o) wie bereits
gesagt 33%. Bezieht man diese Veränderung auf die Erdbahnebene (ca. 55o
- 66,5o = 11,5o) so sind es rund 21%.
Mit dieser
Rückschau haben wir - ausgehend von der Theorie kosmischer Katastrophen
in der Frühgeschichte der Menschheit das Präzessionsphänomen als einen
geophysikalischen Korrekturprozess definiert, den die Erde ausführen musste, um
nach verschiedenen kosmischen Eingriffen wieder eine stabile Rotationsposition
im Raum zu finden.
Bei allen
diesen Korrekturprozessen hat sich weder die geografische Position der Erdpole
noch die tägliche Rotation geändert. Dazu war unsere Erde m. E. zu groß
und zu „fest gefügt’’ (auch wenn sie kein starrer Körper ist).
Gerade die
Erdrotation hängt so intensiv mit dem Drehimpuls der Sonne zusammen, dass es
zulässig ist, die Erdrotation als konstant anzunehmen. Die geografische Lage
der Erdpole dürfte seit dem Beginn des Tertiärs die gleiche sein wie heute.
AUCH die Bahn der Erde um die Sonne hat sich nicht verändert.
Wiederholt
verändert hat sich allerdings die Lage der Erdpole im Raum, d. h.
im Verhältnis zur Sonne. Denn von allen angegebenen Parametern ist die
Rotationsachse des rotierenden "Erdkreisels" am
störungsempfindlichsten!
Das lässt
sich sehr gut an der so genannten Nutation erkennen. Sie besteht,
seitdem der Mond als Trabant unseren Planeten "umkreist". Die
Nutation lässt die Erdachse im Raum keinen Kreis beschreiben, sondern einen
"Wellenkreis". Das hängt mit der komplizierten Bahn des Mondes
zusammen.
Sie ist so
komplex, dass man leicht den Eindruck bekommen kann, der Mond sei kein Trabant
der Erde, d. h., er umkreise sie
gar nicht. Zu dieser Schlussfolgerung kam G. L. Geise (EFODON SYNESIS
1/1994). Er zeigte die vielen Fragwürdigkeiten auf, die in schulwissenschaftlichen
Handbüchern zu finden sind. Das liegt daran, dass man die Mondbahn nur sehr
schwer zeichnerisch darstellen kann. Die astronomischen Lehrbücher drücken sich
leider nicht deutlich genug aus. Prinzipiell hat G. L. Geise recht.
Nach
meiner Auffassung umkreist der Mond nur die Sonne. Die Mondbahn verläuft mit
der Erdbahn um die Sonne nahezu parallel, und zwar ebenso linksläufig, aber mit
einem kleinen Unterschied von ca. 5 Grad in den Bahnebenen.
Die
Bahngeschwindigkeit des Mondes ist etwas größer als diejenige der Erde, weil
der Mond eine wesentlich geringere Masse hat. Der Mond kam vor urlanger Zeit
als Asteroid aus der Tiefe des Weltraumes, geriet in unser Sonnensystem und
wäre vermutlich entweder ein „Kleinplanet’’ geworden oder in die Sonne gestürzt.
Doch genau das hat unsere Erde verhindert. Wie Geise richtig sagt, wurde der
Mond von der Erde „eingefangen’’. Und die Mondbahn, die wir heute erkennen,
spiegelt ein ständiges „Duell’’ zwischen der Sonne und der Erde wider, die sich
um den Mond „streiten’’. Denn sowohl die Sonne als auch unsere Erde ziehen den
Mond an. So gerät der Mond in regelmäßigen Intervallen einmal (von der Sonne
aus gesehen) langsam vor die Erde und dann wieder langsam hinter sie. Das
bedeutet für uns Erdbewohner „Neumond’’ und „Vollmond’’ bzw. die entsprechenden
Phasen.
Dieses
"Gezerre" um den Mond wirkt sich als Nutation sogar auf die Stellung
der Erdachse im Raum aus. Es kommt zu dem zuvor genannten
"Wellenkreis". Er hat mit der Präzession nichts zu tun.
Für den
irdischen Beobachter müssen die wellenförmigen Bahnbewegungen, die sich aus
diesem gravitativen Prozess ergeben, wegen ihrer Konstanz (die zwangsläufig
gegeben ist, weil sich ja die Kräfte der „Partner’’ nicht ändern) und wegen der
unterschiedlichen Beleuchtung des Mondes durch die Sonne, optisch den Eindruck
erwecken, es müsse sich um einen Zyklus, also um eine Kreisbewegung handeln.
So haben
letztens weder die einen noch die anderen „recht’’ oder „unrecht’’. Optisch ist
die Mondbahn ein Zyklus = Kreis, und geografisch astronomisch ein Teil (der
12.) der jährlichen Kreisbahn (Wellenkreis) des Mondes um die Sonne.
Nach
dieser mir wichtig erscheinenden Abschweifung auf das Problem der Mondbahn
kommen wir wieder zur Präzession zurück.
Die
moderne Astronomie definiert - wie einleuchtend zitiert - die Präzession als
einen konstanten, unserem Sonnensystem gegebenen, gravitativen Prozess. Hier
wird die Gegenthese vertreten, dass es sich bei der Präzession, die eigentlich
auch Rezession heißen müsste, um einen Korrekturprozess handelt, der
nach kosmischen Einwirkungen auf die Erde eintritt.
Wenn, wie
vor kurzem zwei österreichische Geologen des wissenschaftlichen Establishments
erklärten, die Sintflut ein historisches Ereignis war (was Außenseiter schon
immer behauptet hatten) [A. + E. Tollmann 1993], so wird die Rotationsachse der
Erde bei ihrer enormen Empfindlichkeit auf den (oder die) Einschläge als Allererste
reagiert haben!
Über diese
Reaktion und noch weitere habe ich in diesem Aufsatz gesprochen. Darum kann ich
nun auf den Ausgangspunkt, die astronomische Chronologie, zurückkommen. Deren
Basis ist - wie gesagt - die Präzession. Aber eine Präzession, die von einer
seit unendlich langer Zeit konstanten Aufrichtungsrate ausgeht! Sie drückt sich
in der Verschiebung des Frühlingspunktes aus.
Damit
ließen sich bestimmte Sternkonstellationen in einem Kreislauf von 25.800 Jahren
zurückverfolgen. Eine Methode, mit der sich astronomische Angaben aus dem
Altertum angeblich (d. h. unter der Annahme von konstanter Rate sogar
tatsächlich) genau überprüfen ließen.
Bei
solchen Überprüfungen stellten die Astronomen zu ihrer Überraschung fest, dass
die meisten Angaben der "Alten" falsch waren! Das schrieb man
"noch ungenauen Beobachtungsmethoden" zu.
Man
verstieg sich sogar zu der Aussage, die „alten Astronomen’’ hätten „alte
Sternkonstellationen’’ so heilig gehalten, dass sie diese über tausend Jahre
tradiert hätten. Man muss sich vorstellen, ein heutiger Astronom hielte nach
dem „Stern von Bethlehem’’ Ausschau!
In anderen
Fällen bestimmte man, astronomisch rückrechnend, welcher Stern zu welcher Zeit
wo „aufgegangen’’ sein muss, und benutzte diesen Zeitpunkt als
„Chronologiestütze’’. Das gilt z. B. für die ägyptologische Sothisdatierung.
Sie hat sehr zur ägyptologischen Chronologie beigetragen.
Die
Konsequenz aus dieser Arbeit lautet: die „astronomische Chronologie’’ ist für
die Altertumsforschung völlig wertlos. Ihre Datierungsstützen müssen entfernt
werden. Denn die Basis = Präzession ist unzulässig.
Das
Präzessieren der Erdachse war ein völlig unterschiedlicher, wiederholter
Vorgang mit unterschiedlichen Zeitraten. Es war die Antwort der Erde auf
kosmische Eingriffe in ihren Lauf.
Was die
„alten Astronomen’’, zumeist Priester der verschiedenen Völker, oder auch die
berühmten griechischen Astronomen wie Eudoxos von Knidos u. a.
niedergeschrieben haben, waren die exakten Beobachtungsergebnisse ihrer Zeit.
Sie waren
nicht „falsch’’. Falsch war die Annahme der Astronomie, die Winkelwerte der
Erdachse im Raum wären „bis auf die Präzession unveränderlich’’.
Die
Rotationsachse unseres Planeten hat in der Frühgeschichte wiederholt ihre
Position verändert. Wird das wissenschaftlich akzeptiert, so finden sich für
viele Erscheinungen, besonders in der Klimageschichte, sehr logische
Zusammenhänge.
Auch sehr
bedeutsame tektonische Verwerfungen, vulkanische Aktivitäten, Flutphänomene
usw. bekommen einen präziseren Hintergrund.
Denn mit
einer Lageveränderung der irdischen Rotationsachse verändert sich auch die Lage
des Erdäquators. Und da unsere Erde ja kein vollkommen „starrer’’ Körper ist -
auch wenn es für uns so scheint -, wirken sich die Lageveränderungen besonders
im Bereich des so genannten „Äquatorwulstes’’, der sich ja mitverschiebt,
tektonisch katastrophal aus. Das „Geheimnis der Präzession’’ ist also nur eines
von vielen anderen.
Es
erschien mir aber zweckmäßig, dieses „Phänomen’’ gesondert darzustellen, weil
sich die „astronomische Chronologie’’ hinter sehr vielen archäologischen
Datierungen verbirgt. Sie wird selbst von nonkonformistischen Außenseitern, die
sehr abweichende Vorstellungen zum Ablauf der Frühgeschichte haben, unbewusst
akzeptiert.
Wir alle
sind so daran gewöhnt, die „Himmelsmechanik’’ für das „stabilste System’’
überhaupt zu halten, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, die Angaben der
Astronomen kritisch zu hinterfragen. Ich gestehe offen, dass es mir bei meinen
Forschungen anfangs nicht anders erging.
Aber man
kann sich mit der Theorie kosmischer Katastrophen nicht auseinander setzen,
ohne mit der Astronomie in Konflikt zu geraten. Wird die genannte Theorie
arbeitshypothetisch akzeptiert, ist es nötig, auch die bisher gelehrte
Astronomie unseres Sonnensystems infrage zu stellen.
Literatur
Alexander
& Edita Tollmann: "Und die Sintflut gab es doch", München 1993.
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